St. Pölten - Wandgestaltung im Forum der Niederösterreichischen Versicherung
(2007)


Nikolaus Gansterer (*1974)

Nikolaus Gansterers künstlerischer Ansatz setzt sich mit der Sprache der Zeichnung und ihrer Übersetzbarkeit in räumliche Verhältnisse auseinander. Grafische Grundstrukturen werden in ihrer Wechselwirkung mit dem Umraum untersucht, um die zweidimensionalen Formen in einer dritten Dimension aufzubrechen. In seiner Installation "Der Wechselschattenspeicher" beschäftigt sich Gansterer mit den ephemeren Qualitäten des Mediums Zeichnung, das in seiner meist nichtfarbigen bzw. ins Auge stechenden Erscheinungsform stets aus der Nähe betrachtet werden muss, um eine genauere Lesart zu ermöglichen. Um dieses Phänomen herum verdichtet sich die Installation, die aus einer gefrästen Zeichnung im Innenraum des Forums besteht und je nach Licht- und Schatteneinfall den BetrachterInnen eine holistische Wahrnehmung nur aus mehreren, zeitlich nacheinander eingenommenen Positionen ermöglicht. Gansterer fräst bzw. schreibt in seine Arbeit ungreifbare Momente an Information ein und bestimmt dadurch einen sich je nach Lichteinfall verändernden Wahrnehmungshorizont. Der Schatten-Licht-Raum wird in der für seine Erfahrung notwendigen zeitlichen Bedingtheit zu einem klanglichen Resonanzraum, der es erforderlich macht, Erinnerung zu speichern und in eine individuelle Lesbarkeit zu übertragen.

(Walter Seidl)

Aus: Öffentliche Kunst, Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich 9 (2009)