Groß-Enzersdorf


Gemeinde Groß-Enzersdorf

Ortsgeschichte

An die westliche Stadtgrenze von Wien schließt sich das Gemeindegebiet von Groß-Enzersdorf an, die Nähe zur Bundeshauptstadt hat die Entwicklung der im Marchfeld gelegenen Stadt entscheidend mitbestimmt. Während der vergangenen Jahrzehnte vollzog Groß-Enzersdorf eine Wandlung von der Agrargemeinde des 19. Jahrhunderts zu einer durch Handel und Gewerbe geprägten Stadt mit expandierendem Siedlungsraum, der sich bis zum Donau-Oder-Kanal und der Lobau erstreckt, seit 1996 Teil des Nationalparks Donau-Auen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Groß-Enzersdorf erfolgte unter der Bezeichnung Enzinesdorf im Jahr 1160, demnach handelte es sich ursprünglich um einen Ort, der nach einem Mann mit Namen Enczi benannt war. Die ersten Spuren einer Besiedelung der Region Groß-Enzersdorf stammen aus dem Neolithikum, in den Katastralgemeinden Franzensdorf und Rutzendorf wurden Steingeräte aus dieser Zeit gefunden. Funde aus der Bronzezeit, Urnenfelderkultur und Hallstattzeit belegen eine über die Jungsteinzeit hinausgehende Siedlungskontinuität.

Die Herrschaft über Groß-Enzersdorf hatten bis 1803 die Bischöfe von Freising inne, mit der Verwaltung der Stadt waren insbesondere bayerische Burggrafen und Pfleger betraut. Besonders verdient um die Entwicklung von Groß-Enzersdorf machte sich der freisingische Bischof Berthold von Wehingen: Während seiner Amtszeit wurde Groß-Enzersdorf 1396 zur Stadt erhoben und erhielt ein Stadtwappen. Auch bauliche Maßnahmen wurden gesetzt, so erhielt die Stadt eine sieben Meter hohe Stadtmauer, die bis heute prägend ist für das Stadtbild von Groß-Enzersdorf.

Die Befestigung der Stadt Groß Enzersdorf stellte kein Hindernis für die Truppen des Mathias Corvinus dar, der Ort wurde von diesen 1482 erobert, auch den Osmanen gelang es, 1529 und 1683 in die Stadt einzudringen und Plünderungen durchzuführen. Im Jahr 1809 wurde Groß Enzersdorf von Napoleonischen Truppen eingenommen. Am 13. April 1945 marschierten sowjetische Truppen in Groß Enzersdorf ein, zuvor war die Stadt 1944 bombardiert und 1945 durch russische Einheiten beschossen worden.

Über Jahrhunderte bildete die Landwirtschaft in Groß-Enzersdorf den dominierenden Wirtschaftszweig, wobei der Schafzucht besondere Bedeutung zukam, Ende des 18. Jahrhunderts befanden sich etwa 1000 Schafe im Besitz der Herrschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Gegend um Groß-Enzersdorf Weinbaugebiet. Die Tradition des feldmäßigen Gemüseanbaus reicht bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück, damals siedelten sich Gärtnerfamilien aus Bulgarien in Groß-Enzersdorf an und widmeten sich der Kultivierung und Ernte von Gemüse. 1964 wurde in Groß-Enzersdorf ein Betrieb zur Erzeugung von Tiefkühlkost und Speiseeis errichtet mit Schwerpunkt auf die Verarbeitung von Marchfeldgemüse, das Unternehmen ist seit seiner Gründung ein wichtiger Arbeitgeber in der Region Groß-Enzersdorf.

An Groß-Enzersdorf führt der Donau-Oder-Kanal vorbei, Teilabschnitt einer unvollendeten künstlichen Wasserstraße zwischen den Flüssen Donau und Oder. Bereits Karl IV. dachte im 14. Jahrhundert über einen das Schwarze Meer und die Ostsee verbindenden Binnenwasserweg nach und auch in der Folgezeit gab es immer wieder Pläne, Donau und Oder durch einen schiffbaren Kanal zu verbinden, zur Zeit des Nationalsozialismus schließlich wurde mit dem Kanalbau begonnen, die Arbeiten am österreichischen Teilstück zwischen Donau und March wurden allerdings nach wenigen Kilometern eingestellt. Mit der Parzellierung der Uferbereiche entlang des Donau-Oder-Kanals ab den 1960er Jahren entstand ein regional bedeutendes Naherholungsgebiet.