Ortsgeschichte
An der wichtigen Nord-Süd-Verbindung, der Laaer Straße (heute B6), die von Korneuburg über Ernstbrunn nach Laa an der Thaya führt, liegt etwa 15 km nördlich von Korneuburg das Straßendorf Karnabrunn. Besiedlungsspuren reichen bis in das Neolithikum zurück.
Die älteste Erwähnung von Karnabrunn findet sich im Klosterneuburger Traditionsbuch mit predio Charnerbrunn, um 1156/58. Vertreter des in Karnabrunn ansässigen Ministerialengeschlechts treten in den Klosterneuburger Traditionen als Zeugen mit Siglochus (um 1175), Ratold, Eberhart und Heinrich (um 1180) auf. Über die Erklärung des Ortsnamens herrscht Unklarheit: Schuster interpretiert den Namen als „bei der Quelle in der Nähe eines Karners“; andere bringen den Ortsnamen mit einem Karrenbrunnen (= Aufziehbrunnen zum Drehen) in Verbindung oder leiten ihn von den Kärrnern – Fuhrleute, die die Waren mit einem ein- oder zweirädrigen Karren händisch zogen – ab.
Den ältesten Ansitz lokalisiert man auf dem Plateau des Stainmeißlberges. Der Nachfolgebau dürfte bereits vor 1313 entstanden sein. Der heute noch erhaltene Wall unterhalb des heutigen Schlosses dürfte von diesem Bau stammen. 1332–1395 im Eigentum der Chriech von Karnabrunn ging die Burg 1401 als freies Eigen in den Besitz der Dachsenpeckh über. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem ungarischen König Matthias Corvinus und Kaiser Friedrich III. wurde Karnabrunn zweimal von den Ungarn besetzt und durch kaiserliche Truppen wieder mit Waffengewalt eingenommen (1483 und 1493).
Die Karnabrunner Linie der Dachsenpeckh erlosch 1568 mit dem Tod von Christoph. Seine Tochter Regina Dachsenpeckhin vermählte sich 1570 mit (dem evangelischen) Caspar Pernstorffer von Poppen und brachte ihm das Gut Karnabrunn mit in die Ehe. Caspar Pernstorffer starb 1590 und wurde in Weinsteig begraben, wo sein Grabstein noch besichtigt werden kann. In der Reihe seiner Nachfahren befanden sich auch einige Frauen als Erbinnen, die Karnabrunn als Besitz in die Ehe mitnahmen, wie z.B. Barbara Juliana von Pernstorff, welche 1635 Hans Ehrenreich Geyer von Geyersperg ehelichte.
Die Wallfahrt nach Karnabrunn entstand während der Pestepidemie 1679; in diesem Jahr legten Bewohner:innen der Wiener Leopoldstadt ein Gelübde ab, zur Heiligsten Dreifaltigkeit in Karnabrunn zu wallfahren, um so das Ende der Pest zu erflehen. Die Wallfahrt besteht bis heute. Das Ziel war damals noch vermutlich eine hölzerne Kapelle. Unter Julius Friedrich Graf Buccelini, der 1670 die Herrschaft kaufte, wurde ab 1686 eine neue Kirche erbaut. Karnabrunn wurde mit Weinsteig, Lachsfeld und Hetzmannsdorf von der Pfarre Niederhollabrunn abgetrennt und mit diesen Filialen eine selbständige Pfarre. 1693 errichtete Graf Buccelini eine Einsiedelei bei der Kirche, die bis 1783 bestand. Auch eine Schule war in dieser Zeit bereits vorhanden. Die hochgelegene Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit erlebte als Wallfahrtkirche in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Blüte. So legten die Pfarren Asparn an der Zaya und Stockerau 1713 ihre Pestgelöbnisse ab. Nach einer Unterbrechung durch die Verbote Josephs II. zeichnete sich eine weitere Glanzzeit im 19. Jahrhundert ab. An der anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums veranstalteten Wallfahrt nahmen 2000 Teilnehmer:innen teil.
1721 kaufte Johann Carl Edler von Seuttern das Schloss und die Herrschaft Karnabrunn von Esther Regina Anna von Ogilvi. 1765/66 erbte Ludwig Edler von Haquê Karnabrunn und Weinsteig. Er war mütterlicherseits mit der Familie Seuttern verwandt. 1804 starb er. Er ist im Mausoleum am Friedhof bestattet. 1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf 41 Häuser. Landgericht und Ortsobrigkeit lagen in den Händen der Herrschaft Karnabrunn, der auch alle Untertanen und Grundholden unterstanden. 1803 errichtete die Herrschaft eine Branntweinbrennerei mit einem Dampfdestillerieapparat. Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Pfarrdorf mit 45 Häusern, in denen 68 Familien lebten – 147 männliche, 149 weibliche Personen und 35 Schulkinder. Der Viehstand belief sich auf 16 Pferde, 54 Kühe, 371 Schafe und 30 Schweine. Die Bewohner verdingten sich als Hauersleute, lebten hauptsächlich vom Obst- und Weinbau und lieferten ihren Wein in die Residenzstadt. Nach Aufhebung der Grundherrschaft konstituierte sich Karnabrunn 1854 als eigenständige Gemeinde mit den Katastralgemeinden Hetzmannsdorf, Lachsfeld und Weinsteig. Sie unterstand dem Bezirksamt und dem Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich insgesamt 958 Einwohner:innen.
Durch die Errichtung der Eisenbahnlinie Korneuburg-Ernstbrunn, die am 26. November 1904 eröffnet wurde, war Karnabrunn nun an das Bahnnetz angeschlossen. Durch die nun mögliche Tagesverbindung kamen noch mehr Wallfahrer nach Karnabrunn. Der Bahnverkehr wurde 1988 eingestellt. Am 9. März 1919 beschloss der Gemeinderat die Auflösung des Gemeindeverbandes und die Trennung in die selbständigen Gemeinden Karnabrunn, Lachsfeld, Weinsteig und Hetzmannsdorf.
Als nach der Verabschiedung der Gesetze zur Verbesserung der Gemeindestrukturen ein Ende der kleineren Gemeinden absehbar war, fand am 17. September 1967 in Karnabrunn eine Volksbefragung stattfand. Die von der Bevölkerung favorisierte Bildung einer Großgemeinde Karnabrunn durch den Zusammenschluss mit Wetzleinsdorf, Lachsfeld, Kleinabersdorf und Naglern kam allerdings nicht zustande. Im Kampf gegen die Wünsche der Niederösterreichischen Landesregierung beschloss der Gemeinderat am 20. September 1970 eine freiwillige Vereinigung mit Harmannsdorf-Rückersdorf. Die NÖ Landesregierung schloss sich diesem Gemeinderatsbeschluss nicht an, sondern veranlasste eine Zwangszusammenlegung mit Großrußbach, die mit 1. Jänner 1972 in Kraft trat.