Großkrut


Gemeinde Großkrut

Ortsgeschichte

Großkrut liegt im nordöstlichen Weinviertel, im Dreiländereck mit Tschechien und der Slowakei. Der Ort wurde an der Kreuzung zweier bedeutender Altstraßen errichtet: des Staatzer Weges und der Lundenburger Straße. Der Poybach durchfließt das Gemeindegebiet von West nach Ost. Heute umfasst das Gemeindegebiet die Katastralgemeinden Althöflein, Ginzersdorf, Großkrut und Harrersdorf.

In der Ried Kellerberg wurden jungsteinzeitliche Werkzeuge (zwei Steinbeilfragmente) nach einem Unwetter freigespült, sowie in weiterer Folge Gefäße, Krüge und Schalen freigelegt. Weiters fanden sich römische Münzen aus der Zeit Mark Aurels. Der Ortsname lässt sich auf „bei den Kroaten“ zurückführen und wurde als Kruwat eingedeutscht und zu Krut assimiliert. Ab 1359 (bis 1922) erhielt der Ort zur Unterscheidung des südöstlicher gelegenen Dürnkrut den Beinamen Pehemisch, also „Böhmischkrut“. Der alte Ortname deutet die Lage an der Sprachgrenze an.

Um 1055 wurde Gaubtisch-Krut als Doppelpfarre vom Bistum Passau gegründet, was das Patronat des Hl. Stephan verdeutlicht. Diese Urpfarre im Weinviertel wurde zur Mutterpfarre von 21  Pfarren im nordöstlichen Weinviertel. 1055 findet sich die erste Nennung des Ortes in einer kaiserlichen Urkunde Heinrichs III.: Dieser überließ darin die Güter Richwins in Govvacesbrunnen (Gaubitsch) und Crvbeten (Krut) der Passauer Domkirche. Richwin stammte aus dem Hause Cham-Vohburger, war an einem Aufstand gegen den Kaiser beteiligt gewesen und wurde folglich auf dem Reichstag in Ulm hingerichtet. Friedrich II. hatte einen Hof in Krut. Bis 1260 findet ein „Passauerhof“ Erwähnung. Schließlich stiftete Rudolf von Habsburg dem 1280 neugegründeten Dominikanerinnenkloster zum hl. Kreuz in Tulln den landesfürstlichen Besitz in Krut. Mit der Aufhebung des Klosters unter Joseph II. kam der Besitz an den Religionsfonds.

Hans von Liechtenstein, seines Zeichens Hofmeister von Albrecht III., erhielt im Jahre 1391 Zehente in Krut, 1408 zusammen mit seinem Bruder Heinrich auch die Vogtei. Im selben Jahr erhielt Krut das Marktrecht. Noch heute werden viermal jährlich Märkte abgehalten: am 2. Februar zu Maria Lichtmeß, am 16.Mai zum Fest des Heiligen Johannes Nepomuk, am 10. August zum Fest des Heiligen Laurentius und am 15. Oktober zum Fest der Heiligen Theresia. Die Liechtensteiner vergrößerten ihre Besitzungen im engeren Umfeld von Krut und verleibten sie ihrer Herrschaft Feldsberg, später Wilfersdorf, ein. Diese Erbvogtei wurde 1494 von Kaiser Maximilian I. anerkannt. Weiters bestätigte der Kaiser ein vermutlich älteres Marktprivileg (1408 und 1444 als „Markt“ genannt) oder bewilligte einen weiteren Jahrmarkt. Krut berief zu Maria Lichtmess, am Sonntag vor Laurenzi und am 16. März Markt ein. Die Hohe Gerichtsbarkeit wurde im Ort ausgeübt, daran erinnerte der Galgen an der Lundenburger Straße im Nordosten des Ortes. In der Nähe der Kirche stand der Pranger. Während der Reformationszeit blieb die Herrschaft mit ihren Untertanen katholisch. Das bekamen sie im Dreißigjährigen Krieg zu spüren, als die protestantischen Truppen plündernd einfielen. Der Schaden durch die Raubüberfälle war beträchtlich. Sechs Jahre nach dem Westfälischen Religionsfrieden von 1648 lagen noch immer neun fürstlich-liechtensteinische Häuser öde.

Die auf einer Anhöhe gelegene ehemalige Wehrkirche Pfarrkirche ist eine in ihrem Kern romanische spätgotische Staffelkirche. Das romanische flachgedeckte Langhaus wurde ab dem 13. Jahrhundert laufend erweitert. 1486 erfolgte der Umbau zur Staffelkirche. Mittel- und Seitenschiffe wurden mit Netz- bzw. Sternrippengewölben eingewölbt. In der Barockzeit wurde die südlich des Chores freistehende Marienkapelle in den Kirchenbau miteingebunden. Diese Kapelle wurde vermutlich als Begräbnisort für adelige Stifter im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts errichtet. Am 13. November 1671 machte Pfarrer Johann Warendorfer (1641-72 Pfarrer von Großkrut), eine ewige Stiftung an den Marienaltar und die Marienkapelle der Pfarrkirche. Die Warendorf´sche Stiftung wurde im 17. und 18. Jahrhundert von eigenen Benefiziaten versehen. Die im 19. Jahrhundert ruhende Stiftung, belebte erst 1885 Pfarrer Bernhard Christen wieder. Aufgrund der Geldentwertung nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Stiftungsverpflichtungen 1936 angepasst und der Benefiziat fortan verpflichtet nur mehr an allen Marienfeiertagen und am Todestag des Stifters (31. Dezember) eine Messe zu lesen.

1680 kam es zu einem Dorfbrand, bei dem neun Häuser beschädigt wurden; 1683 wurde fast das ganze Dorf inklusive Kirche eingeäschert. Allerdings blieb die Ortschaft von den Osmaneneinfällen gänzlich verschont. Die Konjunktur konnten die Kruter sogar geschickt für sich nutzen, denn durch teuren Getreideverkauf an Wien verdienten sie ein kleines Vermögen. Im Weinviertler Pestjahr 1713 verzeichnete Großkrut keinen einzigen Toten. Auch am 9. September 1750 blieb der Ort verschont, als Heuschreckenschwärme die Sonne verfinsterten, aber über den Ort hinwegzogen ohne hier einzufallen. 1866 verblüffte die „Gefräßigkeit“ der einquartierten Preußen den Chronisten der Pfarrchronik. 200 Menschen fielen der miteingeschleppten Cholera zum Opfer. Dass der spätere Reichspräsident Hindenburg als junger Offizier in (Böhmisch-)Krut war, ließ dieser anlässlich einer Audienz bei dem österreichischen Unterrichtsminister Emmerich Czermak verlautbaren.

1922 erfolgte die Namensänderung von „Böhmischkrut“ auf Großkrut. 1929 wurde eine Filiale der Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter (Mutterhaus Wien-Simmering) in Großkrut gegründet. Die vier Schwestern führten den Kindergarten, eine Kinderbewahranstalt und besorgten die private Krankenpflege. Nach der erzwungenen Aufgabe des Kindergartens 1938, mussten sie – aufgrund einer Anzeige bei der Geheimen Staatspolizei – 1941 Großkrut verlassen. 1945 kehrten sie zurück und nahmen ihre Dienste wieder auf. 1968 wurde das neue Kloster mit Hauskapelle und Kreuzweg eingeweiht. 1981 gab die Kongregation ihre Niederlassung in Großkrut auf. 1907 wurde die Bahnstrecke Poysdorf – Dobermannsdorf eröffnet, ihr Personenverkehr wurde 1988 eingestellt. Es gibt Buslinien, auch Anschlussmöglichkeiten zur Schnellbahnlinie in Mistelbach.

Das Marktwappen ist gespalten von Blau und Silber und zeigt vorne einen goldenen Wehrtum mit schwarzer Tür und schwarzen Fenstern, hinten ein steigender roter Wolf.