Kollmitzgraben


Gemeinde Ludweis-Aigen

Ortsgeschichte

Die hoch über der Thaya gelegene Burgruine Kollmitz zählt aufgrund ihrer Ausdehnung und Lage zu den herausragendsten Anlagen in der niederösterreichischen Burgenlandschaft. Der 600 Meter hohe Berg, an dessen Südabhang die gleichnamige Ruine liegt, war bis ins 17. Jahrhundert ein Sicht- und Kreidfeuerberg. Der Name Chalmunze wird erstmals 1135 genannt, allerdings ist unsicher, ob damit die bestehende Höhenburg gemeint ist oder eine ältere Anlage. Möglicherweise gehörte Kollmitz zur Grafschaft Raabs und ging mit dieser an die Landesfürsten über. Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Herren von Wallsee als Besitzer des landesfürstlichen Lehens und 1297 wird ein Hermann der Kolmunzer urkundlich genannt, vermutlich ein Lehensträger der Wallseer.

Im 14. Jahrhundert kam die Burg in den Besitz des Weichard von Winkel (1346), des Schwiegersohns von Friedrich von Wallsee, dann durch Kauf an Ratold Kratzer von Oven (Chrättzer von Ouen), der 1363 auch das Landgericht Kollmitz erhielt, und nach neuerlichem Besitzerwechsel 1411 an die Herren von Hofkirchen. Dieses bedeutendste Adelsgeschlecht auf Kollmitz war über 200 Jahre im Besitz der Burg. Im Spätmittelalter wurde sie immer wieder ausgebaut und letztlich zur ausgedehntesten, größten Anlage unter den niederösterreichischen Burgen.

Legendär wurde Kollmitz durch den Widerstand gegen den böhmischen Gubernator Georg von Podiebrad im Jahr 1451. In dieser Zeit soll die rund 108 Meter lange und 1,50 Meter starke "Böhmische Mauer" entstanden sein, eine Besonderheit im österreichischen Burgenbau. Zum Schutz des Vorgeländes errichtete man an einer taktisch günstigen Stelle einen mit einem zinnengekrönten Wehrgang ausgestatteten Mauerzug mit Türmen, wobei die natürliche Felsformation einbezogen wurde.

In der Reformationszeit gehörten die Herren von Hofkirchen zu den führenden evangelischen Adelsfamilien des Landes, was 1620 die Eroberung der Burg durch kaiserliche Truppen zur Folge hatte. Der Besitz wurde den Hofkirchnern entzogen und kam 1693 an das Kloster Pernegg, von dem das Schloss als Sommerresidenz genutzt und auch ausgebaut wurde. Im 18. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig. Die Burg wurde als Wohnsitz aufgegeben und, nach Abtragung der Dächer um 1800 zur Einsparung der Gebäudesteuer, dem Verfall preisgegeben. 

Seit 1932 ist die Ruine im Besitz der Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya. Der 1974 gegründete "Verein zur Erhaltung der Ruine Kollmitz" ist bemüht, die Ruine vor dem Verfall zu retten und Besuchern gefahrlos zugänglich zu machen. Ein kleines Museum widmet sich dem Leben und Werk des Topografen Georg Matthäus Vischer (1628-1696).