Ruprechtshofen


Gemeinde Ruprechtshofen

Ortsgeschichte

Ruprechtshofen liegt in einer weiten und fruchtbaren Ebene am Zusammenfluss von Melk und Mank. Sehr früh entstand hier ein Marktort, der seit jeher in Konkurrenz zum benachbarten St. Leonhard am Forst stand. Neben neolithischen Spuren gibt es erste Hinweise zu einer Besiedelung aus der Römerzeit, nämlich mit der (österreichweit fast) einmaligen in Sandstein eingeschnittenen Kulthöhle bei Koth (Gemeinde Rainberg) mit Aschenurnen und sechs römischen Grabinschriften (1. Jh. n. Chr.). Die keltischen und illyrischen Namen verweisen auf die Übergangszeit der romanisierten Landbevölkerung. Weiters fand man 1980 bei Aushubarbeiten auf der Flur Hundsbach einen kleinen römischen Weihealtar, der Victoria geweiht war (http://www.ubi-erat-lupa.org/monument.php?id=4832).

Der Name Ruprechtshofen geht vermutlich nicht auf den ersten Bischof Salzburgs zurück, sondern auf einen vermögenden Mann dieses Namens, der einen größeren Gutshof besaß. Das könnte bereits in karolingischer Zeit (9. Jahrhundert) gewesen sein oder in der Besiedelungszeit nach dem Ungarnsturm (Mitte 10. Jahrhundert). Die erste schriftliche Nennung des Namens scheint in einer Klosterneuburger Tradition um 1170 auf, in der Walther de Ruprehtishoven als Zeuge einer Schenkung notiert wurde. Nach dem Aussterben der Peilsteiner waren die Ruprechtshofener bis 1260 Gefolgsleute der Plainer, bis 1332 der Schaunberger, dann der Habsburger. 1343 kamen Vogtei und Markt an das Kloster Gaming. Das Recht zur Abhaltung von drei Jahrmärkten – am Pfingstdienstag, am Sonntag nach Jakobi (15. Juli) und am Nikolaustag (6. Dezember), der zugleich Kirchweihfest war – bestand seit langem.

Die Pfarre zum hl. Nikolaus entstand als Tochter von St. Leonhard am Forst gegen Ende des 12. Jahrhunderts als Gründung der Grafen von Peilstein. Erst im 17. Jahrhundert wurde das Patronat auf den hl. Rupert erweitert. Nach dem Aussterben der Peilsteiner kam die Pfarre über die Plain-Hardegger an den Landesfürsten. Herzog Albrecht II. übertrug die Kirche mit ihren Rechten an die Kartause Gaming (1334). 1782 fiel die Pfarre an die landesfürstliche Güterverwaltung zurück, 1785 wurde sie in die neugegründete Diözese St. Pölten eingegliedert.

In Ruprechtshofen und Umgebung gab es mehrere befestigte Häuser und Ansitze, die heute oft nur mehr als Erdwerke, Burgställe oder Hausberge erhalten sind oder verbaut wurden. Drei dieser Ansitze haben sich zu Herrschaftszentren entwickelt: Grabenegg, Zwerbach und Zinsenhof. Während sich für Grabenegg und Zwerbach keine kleinadeligen Familien nachweisen lassen, ist der Zinsenhof als rittermäßiger Sitz zu nennen. Als frühest genannte Angehörige des Geschlechts (das mit ziemlicher Sicherheit auf dieses Haus zurückgeführt werden kann) wird um 1207/15 Ulrich von Zinzendorf in einer Schenkungsurkunde genannt. Die Zinzendorfer schienen in der Folge häufig in Zusammenhang mit dem Kloster Lilienfeld auf, dem sie schließlich im Jahre 1332 ihren Stammsitz verkauften. Im 16. Jahrhundert stiegen sie in den Freiherrn- und 1662 in den Reichsgrafenstand auf. Um 1780 ist der Zinsenhof bereits mit der Herrschaft Zwerbach vereinigt. 1829 erwarb Kaiser Franz I. diese Güter, die dann in den Staatsbesitz übergingen und heute eine Gemüsebau-Versuchsanlage der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Wien-Schönbrunn beherbergen.

Um 1530 durchzogen die Osmanen auch diese Gegend, ohne namhafte Schäden zu hinterlassen. Allerdings vergrub der Besitzer des Hauses Fohregg (Nr. 2) 2232 Münzen in drei Tongefäßen unter dem Fußboden. Es ist unklar, ob die Türkengefahr oder die Furcht vor dem Fiskus oder „Gesindel“ den Anlass gaben. 1964 wurde der Münzhort (Münzen von 1460 bis 1550) gehoben. Der Protestantismus dürfte sich in Ruprechtshofen nicht großflächig durchgesetzt haben, obwohl die meisten umliegenden Herrschaften der Lehre Luthers anhingen. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-48) blieb Ruprechtshofen von Kampfhandlungen verschont, allerdings nahm im Winter 1642/43 das Regiment Piccolomini mit seinem Tross, u.a. 300 Frauen und Knaben, hier Quartier. Derlei Winterquartiere blieben bis zum Ende des 17. Jahrhunderts einer schwere Belastung für die Bevölkerung. Im April und Mai 1664 sowie im Juli 1666 wurden einheimische Mädchen Musketieren anvertraut, die seit dem vorangegangenen Herbst hier waren. In den Jahren 1634 und 1679-81 wütete die Pest und forderte unter den Einwohnern ihre Opfer. 1683 wurde Ruprechtshofen wieder von den Osmanen überrannt. Nach dem Frieden von Luneville (1801), lagerte die kaiserliche Armee um Ruprechtshofen. Im November 1805 war eine französische Vorhut unter General Sebastiani mit etwa 800 Mann vorgedrungen und verlangte 1000 Gulden Brandsteuer. Es kam zu unzähligen Misshandlungen an Mensch und Tier. Sie zogen schließlich weiter zur für Napoleon siegreichen Schlacht bei Austerlitz. 1809 kamen die Franzosen erneut nach Ruprechtshofen.

In den 1850er Jahren wurde der Abwassergraben in der Mitte des Marktplatzes unterirdisch gelegt und den Zwetschkenbäumen wichen (bis 1897) Kastanienbäume. Das große Manöver des Jahres 1888 hat sich in Ruprechtshofen abgespielt und als besondere Gäste wurden der Kaiser mit dem Kronprinzen Rudolf, Erzherzog Karl Ludwig und weitere begrüßt. 1889 bekam Ruprechtshofen eine Brückenwaage und die erste Telefonverbindung von St. Leonhard über Ruprechtshofen nach Diesendorf. Am 5. August 1905 wurde der zweite Abschnitt der so genannten Krumpe von Mank nach Ruprechtshofen eröffnet. Die Lokalbahn, die im Volksmund die „Krumpe“ genannt wurde, zweigte in Ober-Grafendorf von der Mariazeller-Bahn ab und sollte nach dem kompletten Ausbau in westlicher Richtung über Kilb, Mank, St. Leonhard am Forst und Ruprechtshofen nach Wieselburg an der Erlauf führen.

Während des Ersten Weltkriegs trafen 1915 slowenische Flüchtlinge von der Italien-Front in Ruprechtshofen ein. Da ihre Quartiere nicht winterfest waren, wurden sie weiter in das Lager nach Gmünd gebracht. Im November 1916 kamen 97 galizische Ukrainer, die fast ein Jahr im Gemeindehaus einquartiert blieben; 1918 schließlich 350 Mann des Telegrafen-Regiments; nach der Auflösung des Regiments kehrten sie in ihre Heimat – Ungarn und Tschechien – zurück. Ende Februar 1919 fand in Ruprechtshofen eine „Bauernrevolte“ statt. Hintergrund war der lebhafte Schwarzhandel mit Lebensmitteln. Am 23. Februar erschienen Beamte in Begleitung von Gendarmerie und Volkswehrmännern, um eine amtliche Requirierung durchzuführen. Widerstand formierte sich. Es war nur dem Eingreifen besonnener Männer zu verdanken, dass die Revolte nicht blutig endete. 1922 trat Grabenegg aus dem Gemeindeverbund aus und bildete eine eigene Gemeinde. Am 28. März 1928 erfolgte der Beschluss des NÖ Landtags zur Markterhebung. 1931 begann die „Melkfluß-Konkurrenz“, der 1930 auch Ruprechtshofen beigetreten war, mit der Regulierung der Melk, die in der Vergangenheit in den angrenzenden Ortschaften immer wieder zu schweren Überschwemmungen geführt hatte. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden mit 1. Oktober 1939 die Gemeinden Grabenegg, Ockert und Rainberg aufgelöst und der Marktgemeinde Ruprechtshofen eingegliedert. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde in der Ortschaft Grub ein Lager für Kriegsgefangene eingerichtet. Im April 1940 kamen die ersten. Die französischen und belgischen Kriegsgefangenen wurden als Zwangsarbeiter bei Bauern eingesetzt. In der Nähe des Friedhofs errichtete man ein „Maidenlager“, ein Arbeitsdienstlager für Mädchen. Mit der Zunahme des Luftkrieges überflogen ab dem Frühjahr 1944 immer wieder Bombengeschwader die Gegend. Am Pfingstmontag 1944 kam es zu einem Luftkampf über Ruprechtshofen und St. Leonhard am Forst. In den letzten Kriegstagen strömten Truppenteile der Deutschen Armee auf ihrer Flucht vor der Roten Armee durch den Ort. Am 8. Mai abends besetzten russische Truppen Ruprechtshofen.

Am 17. Juni 1945 trat zum ersten Mal der neubestellte provisorische Gemeinderat zusammen. Der Schulunterricht begann am 10. September. Die NÖ Landesregierung hob die Zusammenlegung der Gemeinden wieder auf. Der eigentliche Wiederaufbau setzte 1948 ein. Am 27. Oktober konnte man wieder den Viehmarkt abhalten. In den folgenden Jahren bemühte man sich um den Ausbau der technischen Infrastruktur. Mit Beschluss vom 6. Juli 1965 erhielt der Mark ein Wappen verliehen: Der gespaltene Schild zeigt auf seinem vorderen blauen Feld eine goldene Infel und einen nach rechts zeigenden goldenen Bischofsstab; das rückwärtige rote Feld ist mit einer silbernen Binde belegt. Die Gemeindefarben wurden mit Blau und Rot bestätigt. Die Überreichung fand am 8. Oktober 1966 gemeinsam mit der Weihe des Rupertibrunnen am Marktplatz statt. Dieser erinnert auch an die gleichzeitige Inbetriebnahme des Ortswasserleitungsnetzes. Da die Hochwässer der Melk trotz der teilweisen Regulierung noch immer eine potentielle Gefahr darstellten (Hochwasser von 1959), machte man sich ab 1965 an eine weitere Regulierung der Melk und ihrer Zuflüsse. Auf Basis der NÖ Gesetze zur Gemeindestrukturverbesserung schlossen sich 1969 die vier Gemeinden Grabenegg, Ockert, Rainberg und Ruprechtshofen zu der Großgemeinde Ruprechtshofen zusammen. Am 2. September 1974 konnte die neue Schule, mit deren Bau im Jänner 1972 begonnen worden war, ihren Betrieb aufnehmen. 1978 kam es zu einer Wasserknappheit und die zuvor errichtete Anlage reichte nicht mehr aus. Daher wurde der Hochbehälter Gerstl in Riegers gebaut und das Wasserleitungsnetz in den folgenden Jahren laufend erweitert. An der Stelle der alten Volksschule wurde ab 1977 der Neubau des Kindergartens begonnen, der am 20. Mai 1979 feierlich eröffnet wurde. Ab den 80er Jahren lag ein Schwerpunkt der Gemeindetätigkeit auf der Schaffung von Wohnraum. 1992 wurde das Gemeinschaftszentrum mit Festsaal und Bauhof feierlich eröffnet.