St. Andrä vor dem Hagenthale (St. Andrä-Wördern)


Gemeinde Sankt Andrä-Wördern

Ortsgeschichte

Am östlichen Rande des Tullerfeldes am Fuße der Hagenbachklamm liegt der Ort St. Andrä vor dem Hagenthale. Das Ortsgebiet geht im Nordosten durch die Siedlungserweiterung in den letzten Jahrzehnten in den Ort Wördern über.

Der östlich des Ortes gelegene Kumenberg (auch Hohenwarthberg genannt, 295 Meter) war mindestens seit der Jungsteinzeit besiedelt. Auf dem Plateau fand man auch Reste einer frühmittelbronzezeitlichen Höhensiedlung („Böheimkirchner Kultur“, ca. 1600 – 1100 v. Chr.). Südlich dieser künstlich eingeebneten Randkuppe des Wienerwaldes verlief eine Römerstraße (Carnuntum – Wien – St. Andrä – Zeiselmauer – St. Pölten), die am Hauptkamm die Grenze der Provinzen Pannonien und Noricum bildete. Diese Straße verband die Kastelle der Römer, die die Reichsgrenze stabilisieren und gegen germanische Völkerschaften verteidigen sollten. Auch in St. Andrä wurde in Spitalsnähe ein Kastell aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. entdeckt.

Die Awaren nutzten vermutlich den gut einsehbaren Kumenberg als Befestigungsbau weiter. Fränkische Soldaten errichteten zum Dank des Sieges von Kaiser Karl dem Großen über die Awaren (791 n. Chr.) ein „Kirchlein am Bach“ (Chiribach) und weihten es dem Hl. Martin. Somit war Kirchbach auch der ursprüngliche Ortsname von St. Andrä und wurde urkundlich erstmals 836 in einer Schenkungsurkunde an die Passauer Kirche erwähnt. Dem Bistum Passau war hier von den Frankenkönigen reichlich Besitz zugesprochen worden; St. Andrä wurde „pfarrlicher“ Mittelpunkt. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld (955 n. Chr.) kolonisierten vermehrt Bayern und Franken dieses Gebiet.

Seit dem 11. Jahrhundert waren der Mutterpfarre St. Andrä die Kirchen in Langenlebarn, Tulbing, Königstetten, Zeiselmauer und Mauerbach unterstellt. Um 1140 nannte sich ein niederer Adeliger de Sancto Andre. Eine Passauer Urkunde belegt erstmals 1185 die Umwidmung des Patroziniums von St. Martin auf St. Andreas, der dem Ort schlussendlich seinen Namen verlieh. Die ursprünglich romanische Kirche wurde im 14. und 15. Jahrhundert zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgebaut. Bis 1803 war sie im Besitz des Bistums Passau. Dann übernahm die Herrschaft Königstetten das Patronat.

In der Reformationszeit wurde der Protestantismus von den Herrschaften in Judenau, Pixendorf und Zwentendorf unterstützt, die sich eigene Prädikanten nahmen. Auch der in den Jahren von 1564 bis 1584 amtierende Pfarrer von St. Andrä stand dem Luthertum nahe und hatte Frau und Kinder. Der Protestantismus konnte sich aber in St. Andrä, Wördern, Wolfpassing und Zeiselmauer nicht so recht durchsetzen. Der Gegenreformation stieß auf nur wenig Widerstand.  

Zur Zeit der ersten Türkenbelagerung (1529) wurden auch die Kirche und die Pfarre von St. Andrä gebrandschatzt und verwüstet. Gleiches geschah 1683. Die großen Bevölkerungsverluste wurden durch Zuzug von Neukolonisten aus anderen Gebieten Niederösterreichs, Deutschlands, Böhmens, Mährens und Ungarns ausgeglichen.

Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert gibt es urkundliche Hinweise auf Weinbau. Dieser verhalf dem Ort im darauffolgenden Jahrhundert trotz allgemeiner Rückschläge zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Der Weinbau spielte bis zum Auftreten der Reblaus (1867) eine entscheidende Rolle. Wann der Ort das Marktrecht erhielt, ist unklar. Die Theresianische Fassion von 1751 führt St. Andrä bereits als Markt an.

St. Andrä vor dem Hagenthale bildet seit 1972 mit Wördern, Greifenstein, Hintersdorf und Kirchbach die Marktgemeinde St. Andrä-Wördern. Das Gemeindegebiet umfasst die Orte Altenberg, Greifenstein, Hadersfeld, Hintersdorf, Kirchbach, St. Andrä und Wördern. Mit Bescheid vom 28. November 1978 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern ein Marktwappen: Ein schrägrechts geteilter Schild, vorne in Blau eine goldene Schiffsmühle über drei silbernen Wellenbalken schwimmend, mit rotem Mühlrad, aus der Schiffsmühle wachsend ein roter Wolf; hinten in Silber eine rote Waage. Die Gemeindefarben Rot-Weiß-Blau wurden genehmigt.