Enzersfeld im Weinviertel


Gemeinde Enzersfeld

Ortsgeschichte

Wenige Kilometer nördlich der Wiener Außenring-Schnellstraße S1, zwischen Stetten und Großebersdorf, liegt die Marktgemeinde Enzersfeld im Weinviertel, zu der die Katastralgemeinde Königsbrunn gehört. 

Bodenfunde belegen eine Besiedlung des Raumes seit dem Neolithikum. Die ältesten erhaltenen urkundlichen Erwähnungen erfolgten 1136 und 1182 als Engilsalchesuelde, 1395 als Enschueld und 1398 als Entschesveld. Der Ortsname bedeutet nach Schuster „beim Feld, das nach einem Mann mit dem Namen Engilsalch benannt ist“. Bis 1395 hatte das bayerische Benediktinerstift Formbach hier die Zehente inne. Es hatte auch das Patronatsrecht über die Pfarre St. Veit in Kleinengersdorf inne, zu der Enzersfeld und Königsbrunn gehörte. Der verschollene Ansitz wechselte während des Mittelalters häufig die Besitzer. Im ausgehenden 15. Jahrhundert kam ein Großteil der Häuser durch Tausch in den Besitz des Benediktinerstiftes der Schotten in Wien. 1590 besaß es hier 22 Besitzrechte. Im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts waren die Freiherrn von Weber Eigentümer des Ansitzes; Johann Baptist Freiherr von Weber übertrug seine Rechte in Enzersfeld 1627 seiner Gemahlin. Deren Tochter heiratete Ernst Graf Traun-Abensberg. Damit gelangten Teile des Ortes in den Besitz der Traun’schen Herrschaft zu Bisamberg. Während des osmanischen Einfalls 1683 wurde Enzersfeld niedergebrannt. 

Im Zuge der josephinischen Kirchenreform wurde Enzersfeld 1783 zu einer eigenen Pfarre erhoben, die bis heute zu den vom Schottenstift in Wien betreuten Pfarren gehört. 1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf mit einer Pfarre 70 Häuser. Das Landgericht übte die Herrschaft Bisamberg aus, die Ortsobrigkeit lag bei den Herrschaften Bisamberg und Stammersdorf, die im Drei-Jahres-Rhythmus wechselten. Untertanen und Grundholden unterstanden den Grundherrschaften Bisamberg, Wolkersdorf, Stift Schotten in Wien und Stift Klosterneuburg. Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Kirchdorf mit 84 Häusern, in denen 131 Familien lebten – 308 männliche, 313 weibliche Personen und 94 Schulkinder. Der Viehstand belief sich auf 56 Pferde, 136 Kühe und 161 Schafe. Die Ortsobrigkeit wechselte nun zwischen der Herrschaft Bisamberg und dem Schottenstift. 

Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Enzersfeld eine eigenständige Gemeinde, der die Katastralgemeinde Königsbrunn angeschlossen war. Sie gehörte zum Bezirksamt und Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich gemeinsam mit Königsbrunn 892 Einwohner:innen. Mehrere Brände verwüsteten Enzersfeld im 19. Jahrhundert. Der Brand 1847 zerstörte auch den Traun’schen Hof, der ein Jahr später teilweise wieder aufgebaut wurde. 1908/09 musste die alte 1681 erbaute Kirche einem Neubau weichen. Der historisierende Kirchenbau greift in der Gestaltung seines Außenbaus den Formenschatz der Romanik auf. Das Kircheninnere wird von seiner seccesionistischen Ausstattung geprägt. Die Seitenaltäre wurden aus dem Vorgängerbau übernommen. Das Hochaltarbild, ein Werk der Wiener Malerin Maria Schöffmann, zeigt die Geburt Mariens, die ja auch das Patrozinium der Pfarrkirche darstellt.

Nach dem „Anschluss“ 1938 wurde Enzersfeld und Königsbrunn Teil von Groß-Wien. 1954 wurde Enzersfeld wieder eine niederösterreichische Gemeinde. Mit Bescheid vom 18. Juni 1968 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Gemeinde ein Wappen: In Schwarz eine geschweifte, silberne Spitze, die im Schildfuß mit einem goldenen Dreiberg belegt ist und im schwarzen Schilde rechts von einem goldenen berankten Weinblatt, links von einer goldenen Ähre begleitet wird. Die von der Gemeinde vorgeschlagenen Gemeindefarben Schwarz-Weiß-Gelb wurden genehmigt. Im Zuge der Kommunalstrukturverbesserung schlossen sich mit Wirkung vom 1. Jänner 1970 Enzersfeld und Königsbrunn zur Großgemeinde Enzersfeld zusammen. Seit 2006 ist Enzersfeld Mitglied des Regionalentwicklungsvereins „10 vor Wien“. Mit 1. Jänner 2009 erfolgte die Änderung des Ortsnamens in „Enzersfeld im Weinviertel“. Der Niederösterreichische Landtag erhob in seiner Sitzung vom 1. Juli 2010 die Gemeinde Enzersfeld im Weinviertel zur Marktgemeinde.