Oberleis


Gemeinde Ernstbrunn

Ortsgeschichte

Wenige Kilometer nördlich von Ernstbrunn liegt der Pfarrweiler Oberleis auf der zweithöchsten Erhebung der Leiser Berge, dem Oberleiser Berg. Das Bergplateau bot schon früh ideale Bedingungen für ein gut geschütztes Besiedlungsgebiet. Die ältesten Siedlungsspuren reichen in die ausgehende mittlere Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) zurück. Aus der frühen Bronzezeit (2300–1600 v. Chr.) stammen die Reste eines Befestigungsgrabens, der vermutlich das gesamte Plateau umspannte. Kelten errichteten hier einen wichtigen Handelsplatz. Im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. befand sich hier ein befestigter germanischer Herrschersitz. 

Der Name „leis“ weist auf eine zeitweilige slawische Besiedlung hin; er leitet sich von der slawischen Bezeichnung für „eine kahle Stelle, Brache“ – lysa – ab. Die älteste überlieferte Nennung soll in das 11. Jahrhundert fallen (lizza in superiori monte). Die Pfarre Oberleis gehörte zu den dreizehn Eigenpfarren der Babenberger, deren Zehente Markgraf Leopold III. 1135 dem Passauer Bischof Reginmar übergab. Ab 1332 gehörte das Kirchenlehen kurze Zeit den Grafen Plankenstein-Peilstein, 1369 gelangte es wieder an die Passauer Bischöfe. Vermutlich während der Hussitenkriege wurde der Ort zerstört, die Einwohner:innen übersiedelten nach Klement. Erhalten blieben nur die beiden Kirchen, der Pfarrhof und der mittelalterliche Wohnturm.

Auf dem Plateau des Oberleiser Berges wurden die Fundamente der ehemaligen Marienwallfahrtskirche ergraben, die 1787 als „Nebenkirche“ den josephinischen Reformen zum Opfer fiel und abgebrochen wurde. Die Pfarrchronik von 1836 bezeichnete diese als älteste Wallfahrtskirche in Österreich. Das hohe Alter wird durch Münzfunde – ungarische Silberdenare aus den Jahren 1038–1061 – belegt. Von überregionaler Bedeutung und Kontinuität der Wallfahrt zeugen Funde von schweizerischen Münzen aus dem 15.–17. Jahrhundert. Bis heute finden Wallfahrten nach Oberleis statt. Hauptfeste sind heute Maria Geburt und Maria Namen (8. bzw. 12. September).   

Die Anfänge der etwas tiefer gelegenen, dem hl. Mauritius geweihten Kirche dürften in die Zeit vor 1100 zurückreichen. Der erste Bau war ein romanischer Saalbau mit einer Rundapsis. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde das heutige Presbyterium errichtet. In dieser Zeit ging die Funktion als Pfarrkirche von der Wallfahrtskirche auf die Mauritiuskirche über. In den Jahren um 1500 wurde der Kirchenbau im Süden um ein sternrippengewölbtes Seitenschiff erweitert. Das Hauptschiff erhielt 1686 bis 1720 ein neues Gewölbe. Nach dem Abbruch der alten Wallfahrtskirche wurde das Marienpatrozinium auf der Mauritiuskirche übertragen. Um das doppelte Patrozinium auch im Kirchenraum sichtbar zu machen, erfolgte 1791–1794 ein Umbau des Kirchenraumes. In dem in gotisierende Formen umgestalteten Chor wurde auf einer hohen Säule die Gnadenstatue aufgestellt, rechts von ihr der hl. Mauritius und links der hl. Leopold. Bei dem Umbau wurden Bauteile der alten Marienkirche wiederverwendet.           

1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Gut und Dorf mit einer Pfarre 4 Häuser. Das Landgericht übte die Herrschaft Ernstbrunn aus, die Ortsobrigkeit lag bei der Pfarre Oberleis, der auch die Untertanen und Grundholden unterstanden. Schweickhardt beschrieb um 1834 in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens Oberleis als Pfarrherrschaft, die aus der Kirche, dem Pfarrhof und der Schule bestand. Es lebten hier zwei Familien mit elf männlichen, zehn weiblichen Personen und vier schulfähigen Kindern. Der Viehstand belief sich auf 6 Pferde, 8 Kühe, 300 Schafe und 10 Schweine. 

Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Oberleis eine eigenständige Gemeinde bestehend aus den Katastralgemeinden Oberleis, Au und Klement. Sie gehörte zum Bezirksamt Laa und zum Untersuchungsgericht Mistelbach und zählte laut Eintrag im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich insgesamt 525 Einwohner:innen. 

IIm Zuge der angestrebten Gemeindestrukturverbesserung schloss sich mit Wirkung vom 1. Jänner 1970 Oberleis gemeinsam mit Klement der Großgemeinde Ernstbrunn an. Im selben Jahr wurde auf dem Plateau ein 23 Meter hoher Aussichtsturm in Holzfachwerkkonstruktion errichtet. Ein 1986 errichteter Schauraum gibt einen Überblick über die Ergebnisse der archäologischen Forschung in diesem Gebiet. 1989 richtete die Erzdiözese Wien in dem gegenüber der Kirche gelegenen gotischen Wohnturm ein geistliches Jugendzentrum ein.