Ortsgeschichte
Am Westrand der Kreuttales, der „grünen Lunge des Weinviertels“, liegt das Straßendorf Weinsteig, das heute zur ca. 2,4 km entfernt liegenden Gemeinde Großrußbach gehört. Erste Besiedlungsspuren finden sich auf einem Höhenrücken östlich des Ortes mit einer linearbandkeramischen Siedlung (ca. 5500 v. Chr.), deren Reste durch Magnetfeldmessungen und Luftbildaufnahmen nachgewiesen werden konnten.
Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes erfolgt im Klosterneuburger Traditionsbuch mit einem vor 1136 anzusetzenden Eintrag, in dem ein Perchtolt de Suinstic als Zeuge auftrat. Suinstic oder Sweinsteic (1274) war der ursprüngliche Ortsname, den Schuster von mhd. swînstîge = Schweinestall ableitet. Die Besitzerfamilie des verschollenen Ansitzes kommt wiederholt in den Klosterneuburger Traditionen vor. 1451 verkaufte Jörg von Pottendorf das Gut Weinsteig an Caspar Dachsenpeckh, dessen Familie größeren Besitz im nahen Karnabrunn hatte. Etwa zu dieser Zeit wurde der 1971 bzw. 1976 beim Ackern geborgene spätmittelalterliche Münzschatz vergraben.
Der evangelische Gutsherr Caspar Pernstorffer von Karnabrunn, dem auch Weinsteig gehörte, erklärte Pfarre und Gemeinde (1573 – 1580) für lutherisch, zog die Kirchengüter an sich und ersetzte den katholischen Geistlichen mit dem Prediger Sebastian Moll. Sein Grabstein (gest. 1590) befindet sich im unteren Teil des Kirchturms in Weinsteig. Unter dem gegenreformatorischen Einsatz von Melchior Khlesl setzte sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts wieder der Katholizismus im Ort durch. 1658 wird Johann Jakob von Brassicani als Besitzer von Weinsteig genannt, 1660 dessen Gemahlin Maria Katharina von Brassicani, 1680 Katharina Elisabeth von Garnier (geb. Brassicani), 1683 deren Gemahl Johann Leopold Heinrich von Garnier. 1704 schließlich erwarb Julius Friedrich Graf von Buccelini Weinsteig und vereinte es 1708 mit der Herrschaft Karnabrunn, die er 1670 erworben hatte. Weinsteig und Karnabrunn gingen 1765/66 an Ludwig Edler von Haqué und 1831 an Josefa Freiin von Redl über.
Die den Aposteln Petrus und Paulus geweihte Kirche liegt auf einer Anhöhe am Nordrand des Ortes. Der ursprünglich stark befestigte Bau dürfte den hausbergartigen Erdunterbau des ehemaligen Ansitzes genützt haben. Die ersten urkundlichen Erwähnungen eines Kirchenbaues und eines Pfarrers fallen in die Jahre 1350 und 1358. 1672 erfolgte eine Barockisierung der Kirche. Aus dieser Zeit stammt das auf Pilastern ruhende Gewölbe des Langhauses. Die ursprünglich zur Pfarre Niederhollabrunn gehörige Filiale in Weinsteig wurde um 1686 aus dem Pfarrverbund gelöst und der neu geschaffenen Pfarre Karnabrunn zugeordnet.
1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf 39 Häuser. Landgericht und Ortsobrigkeit lagen in den Händen der Herrschaft Karnabrunn, der auch sämtliche Untertanen und Grundholden unterstanden. Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Dorf mit 42 Häusern und einem eigenen Gut. Es lebten zu dieser Zeit 56 Familien im Ort – 126 männliche, 127 weibliche Personen und 33 schulfähige Kinder. Der Viehstand belief sich auf 23 Pferde, 45 Kühe, 50 Schafe, 4 Ziegen und 40 Schweine. Die Bevölkerung lebte vom Acker- und Weinbau; daneben bauten sie auch Spargel an, für den sie Abnehmer:innen in Wien fanden. Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Weinsteig eine Katastralgemeinde der Gemeinde Karnabrunn und zählte 1854 laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 250 Einwohner:innen. Tonvorkommen am Südrand des Ortes wurden für die Ziegelerzeugung genutzt; um 1851 wurde ein Ziegelwerk errichtet, das in der Folge häufig seinen Besitzer wechselte. 1925 wurde ein neuer, leistungsstarker Ringofen errichtet. Erst 1930 wurde die Ziegelproduktion auf Maschinenbetrieb umgestellt. 1942 erwarben die Wienerberger Ziegelwerke den Betrieb. 1966 wurde die Erzeugung eingestellt, 1969 das Ziegelwerk geschliffen.
1920 wurde Weinsteig eine selbständige Gemeinde. Auf Basis der „Gesetze über die Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich“ schloss sich mit Wirkung vom 1. Jänner 1971 Weinsteig mit Hipples und Kleinebersdorf der Gemeinde Großrußbach an.