Wetzleinsdorf


Gemeinde Großrußbach

Ortsgeschichte

Acht Kilometer südlich von Ernstbrunn,  an der B6, die von Korneuburg nach Ernstbrunn führt, liegt das Straßendorf Wetzleinsdorf. Es wird vom Rußbach, hier noch unter dem Namen Greitbach, durchflossen. Der Ortsnamen leitet sich nach Schuster vom althochdeutschen Personennamen Wetzilo ab. Siedlungsspuren lassen sich seit dem Neolithikum bis zur Hallstattzeit nachweisen. Erste Funde ­– Keramik aus dem Neolithikum und der Bronzezeit – wurden in den 1920er Jahren gemacht. Anlässlich einer Notbergung in den 1970er Jahren wurden im Bereich der Ziegelei zwei bronzezeitliche Gräber geborgen. Ferner entdeckte man Spuren einer einfachen Kreisgrabenanlage.    

Im Klosterneuburger Traditionsbuch findet sich um 1136 als älteste erhaltene Überlieferung ein Zeuge namens Heitfolch de Wezilsdorf. Die Familie lässt sich bis 1203 nachweisen. Dann wird Herzog Leopold V. der Glorreiche als Landesfürst mit Besitzrechten in Wetzleinsdorf genannt: Er bestätigte in dieser Funktion die Schenkung seines Bruders Herzog Friedrich I., der den Ort an das Stift Heiligenkreuz vermachte. Papst Innozenz III. bestätigte den Heiligenkreuzer Besitz in Wezelsdorf, Niedersulz und Baumgarten und unterstellte diese Besitzungen seinem Schutz. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte vergrößerte das Stift seine Besitzungen in Wetzleinsdorf. Auch das Zisterzienserstift Zwettl hatte hier Eigen: 1212 übergab Albero von Schwarzenau beim Ableben seines Vaters dem Stift Zwettl drei Lehen in Wetzleinsdorf, ein viertes kam 1261 dazu. 1299, 1321 und 1349 wurden weitere Besitzrechte hinzugefügt. 1226 belehnte das Stift Klosterneuburg den herzoglichen Notar Ulrich in Wezlinsdorf mit mehreren Weingärten; es hatte also auch Besitzungen vor Ort. Um 1384 überließ die Propstei Klosterneuburg alle ihre Rechte dem Stift Heiligenkreuz. Zumindest ab 1385 gab es eine Mühle im Ort, belegt durch einen Eintrag in einem Stiftsurbar. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war auch die Familie der Floyt mit Besitztümern in Wetzleinsdorf belehnt. Ebenso die Maissauer, welche drei Lehen dem Nonnenkloster St. Bernhard (westlich von Horn) widmeten. Im Laufe des 16. Jahrhunderts verkaufte das Stift Heiligenkreuz nach und nach Besitzungen: 1529 an die Daxenpekhs (Dachsenpeckh) zu Karnabrunn, weiters 1544 an Caspar Prandt zu Prandeßegkh und Greizenstetten. 1590 besaß Caspar Pernstorffer auf Karnabrunn die Dorfobrigkeit und 43 von 44 Häusern. 

1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf Wetzelsdorf 50 Häuser, die der Pfarre Großrußbach unterstanden. Das Landgericht übte die Herrschaft Karnabrunn aus, die Ortsobrigkeit lag bei der Herrschaft Niederleis. Untertanen und Grundholden gehörten zu den Grundherrschaften Niederleis, Karnabrunn, Ernstbrunn und Großrußbach. Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Dorf mit 54 Häusern, in denen 63 Familien, bestehend aus 138 männlichen, 167 weiblichen Personen und 62 schulfähigen Kindern, die in Großrußbach die Schule besuchen mussten. Der Viehstand belief sich auf 36 Pferde, 1 Ochsen, 71 Kühe, 159 Schafe und 70 Schweine. An Handwerkern waren 2 Müller, 1 Schmied, 1 Binder, 3 Schneider, 2 Schuhmacher und 2 Weber vertreten. Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Wetzleinsdorf eine eigenständige Gemeinde, die aus den Katastralgemeinden Ebersdorf, Hipples und Wetzleinsdorf bestand. Sie gehörte zur Pfarre Großrußbach und unterstand dem Bezirksamt und dem Untersuchungsgericht Korneuburg. Sie zählte mit ihren Katastralgemeinden laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 747 Einwohner:innen. Wetzleinsdorf besaß zunächst keine Kirche und keine Schule. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde eine kleine Ortskapelle, die der Apollonia geweiht ist, errichtet. 1876 beschloss die Gemeinde den Bau einer eigenen Schule, die im September 1878 ihrer Bestimmung übergeben wurde. 

Nach Ende des Ersten Weltkrieges trennten sich 1919 die drei Katastralgemeinden und wurden selbständige Gemeinden. 1966 wurde die Schule in Wetzleinsdorf geschlossen. Auf Basis der Niederösterreichischen Gesetze zur Gemeindestrukturverbesserung schloss sich Wetzleinsdorf mit Wirkung vom 1. Jänner 1972 der Großgemeinde Großrußbach an.