Johann Georg Grasel


*4.4.1790 bis †31.1.1818

Sage vom Räuberhauptmann Grasel

Der Grasel war zu seiner Zeit ein Schrecken für die Bevölkerung. Er war überall und nirgends zu Hause; landauf und landab fürchtete sich jeder vor dem Räuberhauptmann Grasel, dessen Name in aller Munde war.
So trug es sich im Kirchenwald bei Hollabrunn zu, dass eine arme Frau Pilze sammelte. Da trat plötzlich ein fremder Mann aus dem Dickicht heraus. Sie erschrak sehr, denn sie wusste ja nicht, wer vor ihr stand. "Fürchte dich nicht, ich bin der Räuberhauptmann Grasel. Ich tue dir nichts, denn du bist eine ehrliche Frau. Ich beraube nur die Reichen und verteile das Geld an die Armen", sprach der Fremde zu ihr. Er zog ein paar Goldtaler aus seiner Tasche und gab sie ihr, ehe er wieder verschwand. Als sie weiter Pilze sammelte, stieß sie auf ein Stück Papier, auf dem geschrieben stand: "Verrate nicht den Ort, wo ich mich aufhalte!"
Die reich beschenkte Frau eilte nach Hause und erzählte den Ihrigen von der seltsamen Begegnung. Obwohl sie das Erzählte für sich behalten sollten, plauderten die Kinder die Worte der Mutter aus. Später wurde der Räuberhauptmann Grasel gefunden und in Wien zum Tode verurteilt.
(Quelle: Thomas Hofmann, Das Weinviertel in seinen Sagen, 2000)