Seebarn


Gemeinde Harmannsdorf

Ortsgeschichte

In den südlichen Ausläufern des Kreuttales liegt der Gutsweiler Seebarn. Die älteste erhaltene Erwähnung der „Siedlung, bei den Leuten am Teich“ – so die Interpretation des Ortsnamens – erfolgt um 1140 mit Eberhart de Sewaren als Zeuge im Klosterneuburger Traditionsbuch. Als ältester Besitzer ist 1241 das Hochstift Passau belegt, das an Herzog Friedrich II. 13 zehentbare Häuser in Seebarn zu Lehen gibt. 1283 werden dem Frauenkloster in Tulln einige Besitzrechte geschenkt. 1309 ist das Stift Klosterneuburg an einem Tauschgeschäft mit Ulrich dem Dürrenpech beteiligt und erscheint 1590 noch mit einem Besitzrecht in Seebarn auf. Auch das Kloster Formbach besaß zwischen 1373 und 1395 Besitz in Seebarn, welchen es vermutlich in der Folge an das Stift Klosterneuburg weiterverkaufte.

1349 befand sich eine Marienkapelle in Seebarn: Denn Ulrich, der Schenk von Seebarn stiftete für den ums Leben gekommenen Wilhelm von Hohenstein eine Messe. 1381 wird Hanns der Kriech als Burgherr zu Seebarn erwähnt. Das Kloster St. Clara in Wien erwarb 1323 Besitz in Seebarn.  Im Laufe des Jahrhunderts kamen Höfe, Äcker, Wiesen und Wälder dazu, welche entweder vom Klarissenkloster angekauft oder ihm geschenkt wurden. Aufgrund der Hussitenbedrohung zwischen 1429 und 1445 mussten die Klosterfrauen Vogteigeld bezahlen. 1582 übergaben sie die ganzen Besitzungen in Seebarn dem Jesuitenkollegium in Wien, welches 1590 den größten Teil des Ortsbesitzes innehatte. Zwischen 1494 und Ende des 16. Jahrhunderts waren die Freiherrn von Hofkirchen die Herrn von Seebarn. Neben ihnen werden noch weitere Besitzer genannt: 1590 die Herrschaft zu Kreuzenstein mit einem Besitzrecht und Helmhard Jörger zu Zakhing mit sechs Besitzrechten, 1552 und 1556 Josaphat Grabner zu Rosenberg und sein Bruder Georg, sowie 1616 Sigmund Adam von Traun.

1691 verkaufte das Jesuitenkollegium, bis dahin Hauptbesitzer, seine Besitztümer in Seebarn an Graf Theodor von Sinzendorf. Nach dessen Tod 1712 ging das Gut Seebarn an seine Witwe, Gräfin Wilhelmine Amalia von Sinzendorf, über, bis jene 1727 das auch Wilhelmsbrunn genannte Schloss an Gräfin Maria Charlotte von Wilczek (Herrschaft Kreuzenstein) verkaufte. 

Die urkundlich 1497 erstmals erwähnte Schlossanlage präsentiert sich heute als zwei spiegelbildlich angelegte Bauten über hufeisenförmigen Grundriss, die mitten in einem englischen Landschaftsgarten liegen. Die älteren Bauteile gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Die Fassaden datieren in die Zeit um 1740. Im nördlichen Flügel des Westtraktes befindet sich eine über zwei Geschoße reichende Schlosskapelle. Der Dichter Joseph von Eichendorff hielt sich in den Jahren um 1811 mehrmals als Gast der Grafen von Wilczek in Schloss Seebarn auf. Diese Aufenthalte spiegeln sich in seiner Novelle Aus dem Leben eines Taugenichts. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im Ort eine der hl. Rosalia geweihte Kapelle errichtet. 

1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf 19 Häuser. Das Landgericht und die Ortsobrigkeit lagen bei der Herrschaft Kreuzenstein, der auch alle Untertanen und Grundholden unterstanden. In seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens beschrieb Schweickhardt den Ort als kleines Dorf mit 28 Häusern, in denen 46 Familien mit 105 männlichen, 116 weiblichen Personen und 39 schulfähigen Kinder lebten. Der Viehstand belief sich zu dieser Zeit auf 20 Pferde, 40 Kühe, 220 Schafe und 46 Schweine. Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Seebarn eine eigenständige Gemeinde mit der Katastralgemeinden Kleinrötz. Sie gehörte zum Bezirksamt und Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 245 Einwohner:innen. 

Auf Basis der „Gesetze über die Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich“ (mindestens 1000 Einwohner erforderlich, um eine selbstständige Gemeinde zu sein) schloss sich Seebarn mit Wirkung vom 1. Jänner 1972 der Marktgemeinde Harmannsdorf an.