Biedermannsdorf


Gemeinde Biedermannsdorf

Ortsgeschichte

Östlich von Mödling liegt der Ort Biedermannsdorf. Besiedlungsspuren lassen sich seit der Jungsteinzeit nachweisen. Aus der Eisenzeit fanden sich Schmuckstücke und Werkzeuge. Bei Grabungen stieß man auf eine römische Straßenstation, die vermutlich 380 v. Chr. durch ein Erdbeben zerstört wurde. Aus römischer Zeit konnten neben baulichen Überresten Münzen, Armreifen, Ohrgehänge, Gewandspangen, Ziernägel etc. geborgen werden.

In den Urkunden taucht die Ansiedlung erstmals in der Zeit um 1170–1180 auf. Ursprünglich war der Name Zohensunsdorf – „Dorf des Hundesohnes“. Auf Bitten der Bewohner wurde er umbenannt und scheint 1275 erstmals als Pidermannstorff auf: Albert von Lachsendorf wird in einer Urkunde als Gutsherr zu Pidermannsdorff genannt. Bereits für 1258 wird eine Kapelle erwähnt, die eine Filiale der Martinskirche in Mödling gewesen sein dürfte. 1308 bestand bereits eine Kirche: In einer Urkunde vom 25. Juli 1308 bestätigte Ulrich von Pillichsdorf den Besitz von Lehen in Zohensunsdorf, gelegen hinter dem gotshaus. Bis 1529 blieb sie ein Vikariat der Melker Stiftspfarre.

Das von Katastrophen geprägte 14. Jahrhundert verschonte auch Biedermannsdorf nicht: Heuschreckenschwärmen in den Jahren 1338–1341, die Pest 1349 und Großbrände setzten der Bevölkerung zu. Der habsburgische Brüderstreit zwischen Albrecht und Friedrich hatte eine Verödung von Landstrichen zur Folge, auch Biedermannsdorf war davon betroffen. Ab 1500 begann eine Neubesiedelungsphase. Vom Einfall der Osmanen 1529 war das Wiener Becken stark betroffen, auch Biedermannsdorf ging in Flammen auf. In diesen Jahrzehnten verbreitete sich die lutherische Lehre rasch und auch der Ortspfarrer „fiel vom katholischen Glauben ab und nahm sich ein Weib“. Die Pfarre blieb 60 Jahre unbesetzt.Erst gegen 1600 ist wieder ein katholischer Seelsorger für Achau und Biedermannsdorf belegt. Allerdings werden für 1636 noch mehrere Lutheraner notiert. Kirche und Pfarrhof wurden 1613 durch Feuer zerstört: Angeblich hatte der Dorfschmied Leonhard Volkermayr, der ein fanatischer Lutheraner war, den Brand gelegt.

Im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde der „Laxenburger Weg“ begradigt, ausgebaut und mit Wassergräben begrenzt. Auch die übrigen Straßen wurden verbessert und Wegzoll zur Erhaltung eingehoben. Graf Perlas initiierte einen Neubau der baufällig gewordenen Kirche. Am 14. September 1727 legte er den Grundstein. Der mächtige barocke mit kreuzförmigem Grundriss Bau wurde unter der Leitung des Baumeisters Franz Jaeckl errichtet. Der Westturm der mittelalterlichen Kirche wurde beibehalten und barockisiert. Der Wiener Erzbischof Kardinal Graf Kollonitz weihte den Neubau am 26. Mai 1728, wie schon die Vorgängerkirche, auf den Hl. Johannes den Täufer. Unter der Pfarrreform Josephs II. wurden die beiden seit 1537 gemeinsam geführten Orte Achau und Biedermannsdorf wieder getrennt und als selbständige Pfarren 1783 installiert. 1794 wurde der schon baufällige Pfarrhof neu errichtet.

Zwischen 1797 und 1803/4 wurde der Wiener Neustädter Kanal gebaut, der es ermöglichte, Güter leichter von Wiener Neustadt nach Wien zu transportieren; eine Abzweigung, der Biedermannsdorfer Canal, führte zu dem 1799 errichteten Ziegelwerk, das an die 250 Arbeiter beschäftigte. Die Franzosenkriege stellten besonders in den Jahren 1805 und 1809 eine schwere Belastung für die Bevölkerung dar. Die Schäden waren erheblich, doch die Biedermannsdorfer verzichteten auf Wiedergutmachungszahlungen.

Von den drei Freihöfen – Rohrhof, Wasenhof und Perlashof – existieren heute nur mehr die beiden erst genannten. Der Wasenhof scheint in den Urkunden erstmals 1454 auf; die Besitzer wechselten häufig. Unter Kardinal Sigismund Graf Kollonitsch erfolgte um 1731 ein Neubau. 1857 errichtete Theodor Martinsen im Wasenhof eine Eisengießerei und Kesselschmiede. Der letzte Besitzer, Ritter Richard von Drasche-Wartinberg, schenkte 1883 das Gebäude samt Garten, sechs Joch Grund und 55.000 Gulden Bargeld dem Verein „Stephaniestiftung“, der sich um „schwachsinnige und verwahrloste Kinder“ kümmerte. Nach Adaptierungsarbeiten nahm das Heim – „Asyl der Stephaniestiftung“ – noch im selben Jahr den Betrieb auf. In den nachfolgenden Jahren wurden noch vier weitere Häuser dazugekauft. Den Perlashof kaufte 1881 der katholische Waisenhilfsverein und richtete dort ein Asyl für arme, verlassene Mädchen ein ­– das Stephaneum. Es wurde von Schwestern der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Borromäus geleitet. Als das Gebäude zu klein wurde, erwarb der Verein weitere Grundstücke und ließ anstelle des Perlashofes eine monumentale historistische Vierflügelanlage errichten, die 1898 eröffnet werden konnte. 1929 erwarb die Kongregation das Stephaneum vom Waisenhilfsverein und führte es in Eigenregie weiter. Seit 1946 trug die Schule den Namen Borromäum. Zunächst als Waisenhaus geführt wurde es später in eine volks- und hauswirtschaftliche Schule umgewandelt. Seit 1981 ist der Komplex profaniert und wird als Höhere Bundesanstalt für wirtschaftliche Berufe (Zweige, Schwerpunkte: Bürowesen, Computertechnik, Fremdsprachen, Hotellerie und Gastronomie, Fachschule für Altenpflege, College für Fremdenverkehr) genützt. In der ehemaligen Kirche befindet sich nun die Gemeindebibliothek und die Schulbibliothek der Lehranstalt.   

Nachdem bereits 1875 eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen im Ort eingeführt worden war, wurden in den Jahren 1929/30 die Ortsstraßen saniert und asphaltiert sowie der Ort an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Mit der Schaffung von Groß-Wien wurde Biedermannsdorf 1938 Teil des 24. Wiener Gemeindebezirkes. Erst 1954 wurde die Gemeinde wieder selbstständig. Während des Zweiten Weltkriegs war der Ort durch die Nähe zu Wien und zum Flugmotorenwerk Ostmark in Wiener Neudorf von schweren Bombenangriffen betroffen: Anfang Juli 1944 trafen 36 Bomben das Ortsgebiet, es gab drei Tote zu beklagen. Im November wurden 187 Bomben abgeworfen, die keine nennenswerten Schäden verursachten. Bei erneuten, mehrmaligen Fliegerangriffen im Februar 1945 wurden jedoch dutzende Häuser und Wirtschaftsgebäude zerstört; am 15. März waren fast alle Gebäude des Oberortes (Richtung Wiener Neustadt) beschädigt.

Mit der Wiedererlangung der Selbständigkeit 1955 begann auch der wirtschaftliche Aufschwung. Auf dem Gemeindegebiet siedelte sich das 1962 gegründete Industriezentrum Niederösterreich Süd mit zahlreichen Betrieben an. 1964 erschütterte ein Erdbeben die Region. Der Kirchturm neigte sich um 84 cm. Am 10. Juli 1980 erhob der Landtag von Niederösterreich Biedermannsdorf zur Marktgemeinde. Das Marktwappen wurde am 24. Juni 1980 feierlich verliehen: „Ein durch eine gestürzte goldene, mit einer blauen Lilie belegte Spitze gespaltener roter Schild“. Die vorgeschlagenen Gemeindefarben „Rot-Gelb-Blau“ wurden bestätigt. Nach der Eröffnung der neuen Volksschule 1986 wurde die alte Volksschule zum Rathaus umgebaut. In den folgenden Jahren wurde Biedermannsdorf österreichweit Vorreiter auf dem Gebiet der Abfallwirtschaft und des Umweltschutzes. 1989 erhielt die Marktgemeinde den Großen Grünen Umweltpreis und den Niederösterreichischen Umweltlandespreis.