Göpfritz an der Wild


Gemeinde Göpfritz an der Wild

Ortsgeschichte

Die Marktgemeinde Göpfritz an der Wild liegt an einer seit alters her wichtigen Fernstraße, die von der Horner Bucht über Gmünd hin zur böhmischen Grenze führt. Heute gehören zur Großgemeinde acht Katastralgemeinden: Almosen, Äpfelgschwendt (ausgesiedelt), Breitenfeld, Göpfritz an der Wild, Kirchberg an der Wild, Merkenbrechts, Scheideldorf, Schönfeld und Weinpolz.

Eine Besiedelung der Gegend dürfte bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert erfolgt sein und war zu Anfang des 12. Jahrhundert abgeschlossen. Urkundlich wird Göpfritz erstmals um 1308 im Zwettler Stiftungsbuch erwähnt, als Leutold von Kuenring dem Stift Zwettl bei Gotfrids juxta Neitzen ein Lehen schenkte. Der Name Göpfritz dürfte auf den althochdeutschen Namen Gotafried zurückgehen. Für das Jahr 1454 wird ein „Festes Haus“ genannt, Verwaltungszentrum einer kleinen Gutsherrschaft. 1682 ging sie in den Besitz der Grafen Mallenthein über. Ab 1732 wechselten die Besitzer häufig. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das heutige Schloss errichtet: ein langgestreckter, zweigeschossiger Bau mit wuchtigen 3geschossigen Ecktrakten, an der Hauptstraße gelegen.

In den Jahren 1645/46 hatte Göpfritz schwer unter schwedischen Truppeneinheiten zu leiden; im benachbarten Kirchberg an der Wild waren noch rund zehn Jahre später acht von 28 Häusern öde.

1723, ein Jahr nach der Verstaatlichung des Postregals in Niederösterreich, wurde die alte Postlinie Wien–Maissau–Horn–Göpfritz–Böhmen zur Kommerzstraße erklärt und ausgebaut. Nach der Niederlage bei Regensburg (gegen die Franzosen) zogen sich die kaiserlichen Truppen 1809 gegen Wien zurück. Kaiser Franz I. übernachtete im Göpfritzer Schloss und Erzherzog Karl im Pfarrhof. Am 13. Mai 1809 erreichte den Kaiser in Göpfritz die Nachricht von der Einnahme Wiens durch die Franzosen. In weiterer Folge hatten die Göpfritzer vom Juli bis Dezember 1809 die Franzosen im Ort und in den Nachbarorte einquartiert und zu versorgen.

Göpfritz gehörte bis 1611 zur Pfarre Kirchberg an der Wild. In der Reformationszeit legte man die Kirchberger Pfarre mit Blumau an der Wild zusammen, da der Zulauf zum Luthertum größer war. 1701 wurde wieder eine Trennung vollzogen. Um 1730 wurde eine Kapelle in Göpfritz gebaut und dem Hl. Johann von Nepomuk geweiht. Im Zuge der josephinischen Pfarrreform wurde Göpfritz 1783 eine eigene Pfarre. Anlässlich dieses Ereignisses wurde die alte Kapelle nach Plänen von Karl Reininger zu einer typischen josephinischen Saalkirche erweitert. Betreut wurde und wird die Pfarre vom Prämonstratenserstift Geras aus.

1868 wurde mit dem Bau der Franz-Josefs-Bahn begonnen und der Zugverkehr auf der Strecke von Budweis über Göpfritz nach Eggenburg im darauffolgenden Jahr aufgenommen. Der Postwagenverkehr auf der Kaiserstraße wurde eingestellt und verlagerte sich ab 1870 auf die Eisenbahn. Am 18. August 1895 wurde die Lokalbahn Göpfritz–Siegharts eröffnet. Während des Kaisermanövers, dem von 2. bis zum 7. September 1891 etwa 70.000 Mann beiwohnten, war in Göpfritz das Hauptquartier des Generalstabes und der Schiedsrichter untergebracht. Auch Kaiser Wilhelm II. von Deutschland tafelte als Gast Erzherzog Rainers im extra errichteten Zelt des Gastgartens.

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts war das Schloss in bürgerlichen Besitz gekommen. U. a. wurde ein Gasthaus darin untergebracht. Schließlich gelangte die Anlage 1919 in den Besitz der Dominikanerinnen, die hier ein Kloster einrichteten. Ab 1920 betrieben sie einen Kindergarten; 1923 öffnete eine von den Dominikanerinnen geleitete landwirtschaftliche Haushaltungsschule für Mädchen ihre Pforten. Heute ist die Gemeinde Besitzerin des Schlosses, das u.a. als Gemeindeamt dient.       

Am 20. September 1929 wurde Göpfritz an der Wild zum Markt erhoben und erhielt noch im gleichen Jahr ein Wappen: „In einem blauen Schild erscheint schwebend der goldene Buchstabe G in gotischer Schrift. Im Schilderfuße ist eine von Nadelwäldern umgebene hügelige Wiese, auf der sich drei Baumstrünke befinden. Im Vordergrund erhebt sich eine aus dem Jungholz emporragende hohe Tanne.“ 1971 entstand die Großgemeinde Göpfritz an der Wild in der heutigen Ausdehnung.