Mailberg


Gemeinde Mailberg

Ortsgeschichte

Schon die Bezeichnung "Ritterlicher Markt Mailberg" verweist - ebenso wie das Marktwappen - auf die jahrhundertelange enge Verbindung zum Malteser-Ritterorden. Sie begann mit der Besitzschenkung des Adeligen Chadold um 1146 an den damals noch jungen Orden, die den Grundstock der weltweit ältesten Malteser-Kommende bildete.

Erstmals erwähnt wird Mailberg allerdings schon Mitte des 11. Jahrhunderts, als König Heinrich III. im Jahr 1055 einem Haderich, ein Angehöriger der Herren von Schwarzenburg-Nöstach, drei Königshufen zwischen dem Wald von "Mouriberg" und der Pulkau als freies Eigen überließ. Überregionale Bedeutung erhielt die Gegend drei Jahrzehnte später im Investiturstreit. 1082 erlitt Markgraf Leopold II. in der Schlacht bei Mailberg eine vernichtende Niederlage gegen Herzog Wratislaw von Böhmen, die noch Generationen später die Historiografen beschäftigte.

1133 ist jener Chadold von Mailberg als erstes hier ansässiges Mitglied der im nördlichen Weinviertel bedeutenden Adelsfamilie der Chadolde nachweisbar, dessen Schenkung - vermutlich im Zusammenhang mit dem 2. Kreuzzug -  die Ordensniederlassung der Johanniter (später Malteser) begründete. Nach dem Tod Chadolds konnte sich der Orden 1156 mit Hilfe Herzog Heinrichs II. gegen die Erbansprüche der Familie durchsetzen. In der Folgezeit entstand die Kommende mit Festem Haus, Kirche, Hospital und Konvent sowie - dank weiterer großzügiger Schenkungen - umfangreichen Besitzungen.  "Kommende" bezeichnet eine multifunktionale Verwaltungseinheit mit wirtschaftlichen, militärischen, spirituellen und hospitalitären Aufgaben. 

Im Oktober 1451 wurde Mailberg Schauplatz eines prominenten Adelsbündnisses unter Führung Ulrichs von Eitzing gegen die vormundschaftliche Regierung Friedrichs III. in Österreich ob und unter der Enns. Dem sog. Mailberger Bund schloss sich die Mehrheit der Stände an: an der berühmten Mailberger Bündnisurkunde hängen 254 Siegel. Ziel der Ständeopposition war die Entlassung des minderjährigen Ladislaus aus der Vormundschaft Friedrichs III., die schließlich ein Jahr später - nach der Rückkehr des Kaisers von der Kaiserkrönung in Rom - durch die Belagerung von Wiener Neustadt erzwungen wurde. Der damals erst 12-jährige Landesfürst regierte aber nur wenige Jahre und starb schon 1457.

In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts konnte sich der Orden gegen die Pläne Friedrichs III., Mailberg dem von ihm gegründeten St. Georgs-Ritterorden zu überlassen, widersetzen und die Selbständigkeit der Kommende trotz zeitweiliger rechtlicher Entfremdung und ungarischer Besetzung gegen Kaiser und Papst mühsam behaupten. Erst 1517 wurde der alte Rechtszustand wiederhergestellt.

Das im Kern hochmittelalterliche Schloss erhielt seine heutige Gestalt vor allem in der Renaissance und im Barock. Um 1600 leitete Komtur Karl Tettauer (1594-1608) einen großzügigen Neubau ein, der infolge des Dreißigjährigen Krieges erst um 1660 abgeschlossen werden konnte und auf dem Vischer-Stich von 1672 festgehalten ist. Weitere Umbauten erfolgten um 1750 unter Komtur Graf Anton Karl von Colloredo (1745-1760). In dieser Zeit wurde auch die Schlosspfarrkirche barockisiert, die wie die meisten Ordenskirchen dem hl. Johannes geweiht ist. Als Pfarrkirche wird sie 1207 erstmals urkundlich genannt. Das einst daneben gelegene Spital ist nicht mehr erhalten. Der Bau des großen Meierhofs, Mittelpunkt des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs, stammt aus dem 19. Jahrhundert. Das Schloss ist noch heute Eigentum der Malteser, die Kirche ist dem Orden inkorporiert.

Der 1514 zum Markt erhobene Ort ist wahrscheinlich aus einem langgestreckten Dreieckanger hervorgegangen, dessen Gabelung als Marktplatz bestehen blieb. Seit dem Mittelalter hatte der Weinbau große wirtschaftliche Bedeutung in Mailberg, das bis heute für seine ausgezeichneten Weinlagen bekannt ist.

Die romanisch-gotische Friedhofskirche hl. Kunigunde auf einem Hügel über dem Markt liegt im Zentrum einer teilweise noch erhaltenen hochmittelalterlichen Hausberganlage und geht möglicherweise auf eine ehemalige Burgkapelle zurück. Der romanische Bau wurde im 14. Jahrhundert durch ein zweites gotisches Schiff erweitert.