Nußdorf ob der Traisen


Gemeinde Nußdorf ob der Traisen

Ortsgeschichte

Westlich von Traismauer liegt die Gemeinde Nußdorf ob der Traisen. Der Siedlungsboden ist uralt; das belegen Funde ab der Jüngeren Altsteinzeit. Beim Bau der Schnellstraße von Krems nach St. Pölten wurden mehrere Gräberfelder gefunden: U. a. wurde ein Doppelgrab mit Steinwerkzeugen und einem Eberhaueranhänger (ca. 3000 v. Chr.) freigelegt; weiters stieß man auf zwölf Gräber der Jungsteinzeit (3000–2000 v. Chr.) sowie auf ein frühbronzezeitliches Gräberfeld (1800–1600 v. Chr.) mit 720 Bestattungen und zahlreichen Beigaben aus Bronze, Gold und Bernstein. Unweit des Friedhofs mit Hockerbestattung fand man die dazugehörige Siedlung. Der späteren Bronzezeit gehört ein Urnenfriedhof mit 300 bis 400 Urnengräbern an. Bei Kommassierungsarbeiten in Reichersdorf wurde eine Dorfanlage der älteren Hallstattzeit (800–600 v. Chr.) entdeckt. An die 80 unterkellerte Hausanlagen mit reichem Fundmaterial wurden ergraben. 

Der Name Nuzdorf findet sich erstmals in einer Urkunde des Stiftes Göttweig (1083), als drei Weingärten zu Nußdorf dem Kloster geschenkt wurden. Der Ortsname weist einerseits auf das Vorkommen von Nussbäumen hin. Wernhart Ritter von Nußdorf und seine Gemahlin Agnes stifteten 1325 mit der Zustimmung des Passauer Bischofs Pfarre und Kirche, die dem hl. Johannes den Täufer geweiht ist. Die Pfarre ist dem Augustiner-Chorherren-Stift Herzogenburg inkorporiert.

Nachdem die Familie am Ende des 14. Jahrhunderts ausstarb, folgten die Wallseer als Besitzer nach; 1449 kam der Besitz dann durch Kauf an Christoph von Zinzendorf, 1479 an Leopold Eibensteiner. In der Folge waren die Freiherrn von Mamming die Besitzer (1490–1622). Diese, insbesondere Wolf Christoph von Mamming, förderten den Protestantismus und engagierten lutherische Prediger. In diese Zeit fiel auch der Erwerb des Landgerichtes als freies Eigen (losgelöst vom Landgericht Markersdorf); die Herrschaft Nußdorf verfügte nun über die niedere und hohe Gerichtsbarkeit. Seit dem 17. Jahrhundert wechselten die Besitzverhältnisse in Nußdorf häufig.

In der Ortsmitte befand sich der stattliche Ansitz, der ursprünglich an drei Seiten von Gräben umgeben war. Später wurden hier Garten sowie Stallungen angelegt. Die zu einem herrschaftlichen Schloss ausgebaute Burg wurde 1860-64 abgetragen. Schlosstor und Reste der Schlossgartenmauer sind noch erhalten. Teile der Meierei samt Stallungen wurden 1969 abgetragen bzw. als Gemeindesäle adaptiert. Im neuausgebauten Dachgeschoss des ehemaligen Schlosskellers befindet sich heute das Urzeitmuseum.

Der Dreißigjährige Krieg zog nicht spurlos am Ort vorüber: drei Steinkugeln wurden zum Gedenken daran an der Südseite des Kirchturms eingemauert. Die Zweite Türkenbelagerung Wiens (1683) hatte Plünderungen, Verschleppungen und auch Ermordungen zur Folge. Auch die großen Pestepidemien (1679, 1713) forderten ihre Opfer. An sie erinnert das „Zachariuskreuz“ – ein Doppelbalkenkreuz mit dem Zachariussegen – flankiert von den Pestheiligen Sebastian und Rochus; das Postament trägt das Wappen der Grafen Dietrichstein sowie die Jahreszahl 1733.

Während des Erbfolgekrieges (1740-44) hatte die Bevölkerung unter Requirierungen und Einquartierungen französischer und bayrischer Truppen zu leiden. Die Furcht vor den französischen Soldaten Napoleons 1805 und 1809 veranlasste die Nußdorfer zum Graben sog. „Feindlukan“, unterirdischer Gänge und Unterstände, die in den Löss geschnitten wurden.

Um die Jahrhundertwende setzte die Industrialisierung ein: Aus ehemaligen Mühlen wurden Fabriken. Ferdinand Lutz gründete 1909 einen Betrieb, der Bronzefarben, Christbaumschmuck und Wunderkerzen erzeugte. Nach einem Brand von 1915 spezialisierte sich der Betrieb u.a. auf verschiedene Aluminiumgrießsorten für das Thermit-Schienenschweißverfahren. Von 1914 bis 1983 produzierte die Butonia-Knopffabrik, die zu den ältesten Knopffabriken Österreichs zählt, Knöpfe aus Steinnuss, Hirschhorn, Büffelhorn und Holz.

Auf Antrag der Gemeinde wurde 1976 das Wappen verliehen: Der rechte Teil des gespaltenen Schilds zeigt das Wappen der Herren von Nußdorf aus der Zeit um 1300 (rot mit zwei silberweißen Querbalken), die linke Hälfte beschreibt den Namen der Ortsgemeinde, eine goldene Nuss oberhalb von zwei goldenen Wellenlinien auf blauem Grund. Am 19. November 1977 erhob der NÖ Landtag die Gemeinde Nußdorf zum Markt. Zur Marktgemeinde gehören derzeit sechs weitere Katastralgemeinden: Franzhausen mit der Rotte Fräuleinmühle, Neusiedl, Neußdorf, Reichersdorf, Ried und Theyern.