Ortsgeschichte
Am Westrand des Kreuttales liegt das Grabenangerdorf Kleinrötz. Nördlich davon, nahe des südöstlichen Ortsrandes von Mollmannsdorf, befindet sich die am längsten bekannte Kreisgrabenanlage Österreichs, ein neolithisches Erdwerk mit zwei Gräben.
Den Ortsnamen Rötz leitet Schuster von slawisch rěčica (= kleiner Fluß) ab. Die ersten Nennungen fallen in die Zeit von 1168 bis 1194, in der Durinch de Reze und Olricus de Rezze wiederholt als Zeugen auftraten. 1281 schenkte Kaiser Rudolf von Habsburg dem neugegründeten Frauenkloster zu Tulln auch Besitzungen in Kleinrötz. 1286 übergab der Landschreiber Chunrad (Konrad) von Tulln dem Dominikanerinnenkloster zu Tulln die Lehen von „Retz und Harmenndorf“ (Kleinrötz und Harmannsdorf), nebst anderen kleinen Besitzrechten. 1351 und 1411 kauft das Kloster einen Hof, Äcker und einen Weingarten zu. 1525 war „Rötz bei Bisamberg“ als erbliches Lehen in den Besitz der Grafen von Salm übergegangen, welche ihren Besitz durch Ankauf von Teilen des Tullner Klosterbesitzes erweiterten
Das Raitbuch von 1590 weist die Herrschaft Kreuzenstein als Hauptbesitzer von Kleinrötz aus. 1783 kaufte Graf Wilczek, Besitzer von Kreuzenstein, die Besitzrechte des wahrscheinlich aufgehobenen Tullner Klosters auf.
1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf 51 Häuser. Das Landgericht übte die Herrschaft Harmannsdorf aus, die Ortsobrigkeit lag bei der Herrschaft Kreuzenstein. Untertanen und Grundholden gehörten zu den Grundherrschaften Kreuzenstein und Würnitz. Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Dorf mit 55 Häusern, in denen 65 Familien (155 männliche, 159 weibliche Personen und 42 Schulkinder) lebten. Pfarre und Schule waren in Harmannsdorf. Der Viehstand belief sich auf 33 Pferde, 59 Kühe, 162 Schafe, 6 Ziegen und 4 Schweine.
Nach Aufhebung der Grundherrschaft gehörte Kleinrötz als Katastralgemeinde zu Seebarn. Sie unterstand dem Bezirksamt und dem Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 274 Einwohner:innen. Die kleine ungeweihte Betkapelle wurde erst 1906 durch eine kleine Kirche ersetzt, die zur Pfarre Harmannsdorf gehört.
Auf Basis der „Gesetze über die Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich“ (mindestens 1000 Einwohner erforderlich, um eine selbstständige Gemeinde zu sein) schloss sich Kleinrötz mit Wirkung vom 1. Jänner 1972 der Marktgemeinde Harmannsdorf an.