Ortsgeschichte
Das zwischen Rußbach und dem Donaugraben gelegene Dorf Würnitz liegt am Westrand des wegen seiner Flora bekannten Kreuttales und steht in engem Zusammenhang mit der etwas westlicher liegenden Ortschaft Lerchenau.
Der Ortsnamen leitet sich nach Schuster von einer slawischen Gewässerbezeichung – vrbica, vrubica = Weidenbach – ab. Die älteste Erwähnung im Klosterneuburger Traditionsbuch fällt in die Jahre 1141/43 mit einem Zeugen Gumpo de Wrmz. Die Herkunftsbezeichnung de Wurmez, de Wrmze, de Wrmiz oder de Wrmz findet sich wiederholt in den folgenden Jahrzehnten. Der Ansitz zu Würnitz wechselte in den folgenden Jahrhunderten häufig die Besitzer. U.a. gelangte er 1380 in den Besitz des Tullner Nonnenklosters; 1418 belehnte Herzog Albrecht V. die Floyt mit dem Dorfgericht; 1462 verkaufte Jörg Würnitzer ein landesfürstliches Lehen samt Zugehör (namentlich den Hof Loiwein) an Hans Reydegker (Raidegg); 1490 verkaufte Bernhard von Krutendorff (Krottendorf?) seinen Ansitz in Würnitz an den böhmischen Ritter Johann Miroscha.
Ende des 16. Jahrhunderts ging der Besitz an Julius Freiherrn von Herberstein auf Matzen über. Für 1597 ist ein lutherischer Prediger in Würnitz überliefert, der 1612 dort heiratete und 1623 wurde vertrieben wurde. Nach 1623 war Würnitz an verschiedene Pfarren angegliedert und wurde erst 1784 eigenständig. Zwischen 1630 und 1657 musste beispielsweise der Pfarrer von Bisamberg die Betreuung der katholischen Pfarre von Würnitz übernehmen.
Das Gut Würnitz wechselte im 17. Jahrhundert mehrmals seine Besitzer. Johann Baptist Pinelly, Regimentsrat und Doktor – kaufte 1665 Würnitz und 1667 Karnabrunn. Seinen Erben gelang es 1679 wieder einen katholischen Seelsorger einzusetzen. Der Vischer-Stich von 1672 zeigt ein imposantes Wasserschloss. In den Jahren 1764 bis 1774 war Würnitz Sitz des Kreisamtes für das Viertel unter dem Manhartsberg. Das Amt wurde anschließend nach Korneuburg verlegt. 1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für das Dorf 67 Häuser. Das Landgericht und die Ortsobrigkeit lagen bei der Herrschaft Würnitz, der auch alle Untertanen und Grundholden gehörten.
Schweickhardt beschrieb in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Dorf mit 67 Häusern, in denen 77 Familien mit 180 männlichen, 185 weiblichen Personen und 40 schulfähigen Kindern lebten. Der Viehstand belief sich auf 15 Pferde, 2 Ochsen, 77 Kühe und 287 Schafe. Zu Schweickhardts Zeiten befand sich das Schloss anscheinend noch in einem guten Zustand: Er beschrieb es als zweistöckigen Bau, umgeben von einem Zier- und Obstgarten. Die Räume im zweiten Stock waren noch mit Gemälden und Kupferstichen ausgestattet. Auch im 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer von Schloss und Gut Würnitz mehrmals. Ab der Jahrhundertmitte war es im Besitz der Grafen von Gudenus genannt, bis in den Anfängen des 20. Jahrhunderts der Besitz an die Grafen von Hardegg fiel. 1880 wurde der Bau abgetragen.
Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Würnitz eine eigenständige Gemeinde, zu der die Katastralgemeinde Mollmannsdorf gehörte. Sie unterstand dem Bezirksamt und Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 537 Einwohner:innen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden Würnitz und das Kreuttal zu einem Erholungsgebiet für die Wiener:innen. Schon Schweickhardt hatte die landschaftlichen Reize des Gebietes gelobt: […] wo Thäler und sanfte Hügel, Weingärten, Aecker, Wiesen und Waldungen in bunten Formen recht lieblich abwechseln.
Nach Plänen von Erwin Plevan wurde 1971 eine neue Pfarrkirche unter Einbeziehung einiger Bauteile des vermutlich um 1784 errichteten Vorgängerbaus (Turm, Portal, Marienaltar) errichtet. Auf Basis der „Gesetze über die Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich“ (mindestens 1000 Einwohner erforderlich, um eine selbstständige Gemeinde zu sein) schloss sich Würnitz mit Wirkung vom 1. Jänner 1975 der Marktgemeinde Harmannsdorf an.