Lilienfeld


Gemeinde Lilienfeld

Ortsgeschichte

Die Bezirksstadt Lilienfeld ist Zentrum der waldreichsten Region Österreichs. Kultureller Mittelpunkt ist das 1202 von Herzog Leopold VI. gegründete Zisterzienserstift, das zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerken Österreichs gehört. Nach Heiligenkreuz und Zwettl war Lilienfeld das dritte Zisterzienserkloster im heutigen Niederösterreich und sollte ursprünglich Mariental heißen. 1206 wurde es mit "Grauen Mönchen" aus Heiligenkreuz besiedelt, 1230 wurde das Kloster und der Ostteil der Stiftskirche geweiht. Aus demselben Jahr stammt das im Besitz des Stiftes befindliche erste Siegel mit dem Bindenschild, dem späteren rot-weiß-roten Wappen. Herzog Friedrich II. besiegelte damit die Urkunde vom 30. November 1230, mit der er die Stiftung seines verstorbenen Vaters Leopold VI. bestätigte.

Die 1263 vollendete, spätromanisch-frühgotische Pfeilerbasilika zählt mit einer Länge von über 82 Metern zu den größten Kirchenbauten des Landes. Ihr Chor ist der früheste gotische Hallenchor in Österreich. Von den mittelalterlichen Klosterbauten haben sich außer der Kirche der  Kreuzgang - der größte in Österreich -, der Kapitelsaal, der große Vorratskeller (Cellarium maius) und der Schlafsaal (Dormitorium) der Laienbrüder erhalten. In der Kirche fanden der 1230 in Italien verstorbene Gründer Leopold VI., seine Tochter Königin Margarete (verst. 1266), die Gemahlin König Ottokars II. von Böhmen, sowie Cimburgis von Masowien (verst. 1429), die Mutter Kaiser Friedrichs III., ihre letzte Ruhestätte.

Als größter Grundherr der Gegend prägte das Stift die Entwicklung und Struktur des Bezirks. Es erschloss durch Rodung und Bewirtschaftung das obere Traisental und entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum des Spätmittelalters. Der Anfang des 14. Jahrhunderts wirkende Mönch Christan von Lilienfeld zählt zu den bedeutendsten liturgischen Dichtern des Mittelalters. Etwa zur gleichen Zeit schuf Abt Ulrich (1435-1451) die Concordantiae caritatis, eine reich illustrierte Handschrift in der Art der "Armenbibeln", die zu den größten Schätzen des Klosters gehört. An der Via Sacra nach Mariazell gelegen, war Lilienfeld auch eine traditionelle Wallfahrtsstation. Die Pilger verehrten hier eine große Kreuzreliquie, die Leopold VI. 1219 dem Kloster geschenkt hatte.

Im Zuge der Reformation zählte der Konvent 1587 nur mehr sechs Mönche. Ein Aufstieg setzte wieder im 17. Jahrhundert ein. Abt Ignaz Kraft (1622-1638) gründete eine bis in das 19. Jahrhundert bestehende theologische Hauslehranstalt. 1630 bis 1665 entstanden die Kaiserzimmer für die nach Mariazell pilgernde Kaiserfamilie und unter Abt Matthäus Kolweiß (1650-1695), zwei Mal Rektor der Universität Wien, wurde 1666 bis 1674 von Domenico Sciassia das neue Konventsgebäude errichtet. Er gründete die weit verbreitete Erzbruderschaft des hl. Joseph, an die die Josephikapelle erinnert. 1677 wurde der aus 20 Statuen bestehende Kalvarienberg geweiht, einer der größten und schönsten in Österreich. Um 1700 entstand die barocke Bibliothek mit 34.000 Bänden, darunter 226 Handschriften und 119 Inkunabeln. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts um die Baumbibliothek - die Xylothek - erweitert: In dieser aus naturwissenschaftlichem Interesse angelegten Sammlung von etwa 130 Holzbüchern präsentiert sich die Natur als aufgeschlagenes Buch. 1730 bis 1745 erhielt die Stiftskirche ihre barocke Inneneinrichtung mit einem Hochaltarbild von Daniel Gran sowie Seitenaltarblättern von Martino Altomonte und Johann Georg Schmidt (Wiener Schmidt). In dieser Zeit verfasste Pater Chrysostumus Hanthaler die auch für die Geschichte Österreichs bedeutenden Fasti Campilienses. Seine Quellenkonstruktionen zur Geschichte der Babenbergerzeit, für die er mangels Hausnachrichten Chronisten erfand, wurden im 19. Jahrhundert als Fälschungen erkannt.

Im Zuge der vorübergehenden Aufhebung unter Joseph II. 1789/1790 gingen viele Kunstschätze verloren. 1810 zerstörte ein Brand Refektorium und Dormitorium der Mönche sowie die Sebastiankapelle. Unter Abt Ambros Becziczka (1825-1862), Verfasser historisch-topografischer Darstellungen des Stifts, wurde der ehemalige Tiergarten in einen Park mit exotischen Gehölzen umgewandelt, die Gemäldegalerie und ein Kupferstichkabinett mit Werken Dürers und Rembrandts eingerichtet sowie die Straße von Türnitz nach Mariazell gebaut.

1855 wurde Lilienfeld zum Markt erhoben, 1974 zur Stadt. Als Bezirksstadt ist Lilienfeld Sitz der Ämter und Behörden sowie Schul- und Ärztezentrum für die 14 Gemeinden des Traisen- und Gölsentals. Zu der bis heute wichtigen Forstwirtschaft trat seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Fremdenverkehr als bedeutsamer Wirtschaftszweig hinzu. Durch den Skipionier Mathias Zdarsky (1856-1940) wurde Lilienfeld zur Wiege des alpinen Skisports. Mit dem von ihm konstruierten Lilienfelder Alpenski und einer neuen Fahrtechnik begründete er den Skilauf im alpinen Gelände. 1905 organisierte er den ersten Torlauf der Skigeschichte am Lilienfelder Muckenkogel. An seine Pionierleistungen erinnern ein Denkmal und das Zdarsky-Museum.
1976 verlieh Papst Paul VI. der Stiftskirche den Titel einer Basilika, im Jahr 2002 feierte das Stift sein 800-jähriges Jubiläum. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt heute die Seelsorge in den 19 dem Stift inkorporierten Pfarren (http://www.stift-lilienfeld.at).