Heiligenkreuz


Gemeinde Heiligenkreuz

Ortsgeschichte

Das 1133 gegründete Stift Heiligenkreuz, seit über 850 Jahren das kulturelle Zentrum des südlichen Wienerwaldes, ist die älteste Niederlassung der Zisterzienser in Niederösterreich. Der Ende des 11. Jahrhunderts gegründete Zisterzienserorden entwickelte sich unter der Führung des hl. Bernhard von Clairvaux schnell zu einer bedeutenden Reformbewegung mit dem Zentrum in Cîteaux, lateinisch Cistercium, von dem aus weitere Zisterzen gegründet wurden. Größter Wert wurde auf Gebet, Askese und Weltabgeschiedenheit gelegt. Im Sinne des benediktinischen ora et labora (bete und arbeite) sollte die eigene Arbeit die Lebensgrundlage bilden. Durch ihre Kolonisationstätigkeit leisteten die in abgeschiedenen Gegenden erbauten Klöster wesentliche kulturelle Aufbauarbeit, wobei der Schwerpunkt auf der Land- und Forstwirtschaft lag.

Heiligenkreuz wurde von Markgraf Leopold III. (1095-1136) auf Anregung seines Sohnes Otto, später Bischof von Freising, gegründet, der selbst Mitglied der Zisterze Morimond in der Champagne war. Von dort kamen auch die ersten Mönche in den damals Sattelbach genannten Ort in einem teilweise noch unwegsamen Gebiet. Heiligenkreuz entstand in jenem Gebiet zwischen Dürrliesing und Triesting, das König Heinrich II. dem Babenberger Heinrich I. in der Urkunde vom 1. November 1002 übereignet hatte und 2002 Anlass der Milleniumsfeier "1000 Jahre Wienerwald" wurde. Die Gegend galt als abgeschieden und daher gegeignet für die strengen Ansprüche eines Zisterzienserklosters. Der Name des Klosters kommt von einem Splitter des Heiligen Kreuzes aus Jerusalem, den Leopold V. von einer Wallfahrt mitgebracht und dem Stift 1187 geschenkt hatte - eine der größten Kreuzreliquien nördlich der Alpen.

Schon unter dem ersten Abt Gottschalk zählte das junge Kloster 300 Mönche und Konversen. Zahlreiche Neugründungen wurden von Heiligenkreuz aus besiedelt, in Niederösterreich kurz darauf Zwettl (1137) und später Lilienfeld (1202), in der Steiermark Neuberg, in Oberösterreich Baumgartenberg. Weitere Tochterklöster entstanden in Ungarn (Czikador, Marienberg) und Böhmen (Goldenkron). Das ganze Mittelalter hindurch zeichnete sich das Kloster durch aktive Kolonisationstätigkeit aus. Die errichteten Wirtschaftshöfe ("Grangien") - darunter Sattelbach, Preinsfeld, Sulz, Grub, Trumau - wurden zu landwirtschaftlichen Musterbetrieben, in denen Laienbrüder arbeiteten. Die ausgedehnte Klosterherrschaft umfasste Besitzungen in Niederösterreich, in der Steiermark und in Kärnten sowie Stadthöfe in Wien, Bruck an der Leitha, Wiener Neustadt und zahlreichen ungarischen Städten.

Von der mittelalterlichen Klosteranlage haben sich die 1187 geweihte romanische Basilika, der gotische Hallenchor (1295), der Kreuzgang mit den 300 Marmorsäulchen (1220-1240), das um 1290 als Waschraum erbaute Brunnenhaus mit den Glasfenstern, auf denen unter anderem Leopold III. und sein Sohn Otto dargestellt sind, sowie der Kapitelsaal erhalten, in dem die Babenberger Leopold IV., Leopold V., Friedrich I. und Friedrich II. begraben sind.

Das Kloster entwickelte eine rege wissenschaftliche und literarische Tätigkeit. Zu den bedeutendsten mittelalterlichen Werken gehören die annalistischen Aufzeichnungen ("Continuationes Sancrucenses" 1224-1265) und die "Historia Annorum" des Mönches Gutolf. Auch an der Ausgestaltung des "Legendarium Magnum Austriacarum" (um 1200) war das Scriptorium beteiligt. Weiters entstanden Predigten und theologische Abhandlungen.

Im 15. und beginnenden 16. Jahrhundert kam es im Zuge von Adelsfehden, der Ungarnkriege (1477-1488) und der Türkenjahre 1529 und 1532, in denen das Stift und die Dörfer niedergebrannt wurden, zu einer Krise, der im 17. und 18. Jahrhundert eine Blütezeit der barocken Klosterkultur mit der Pflege von Wissenschaft, Kunst, Musik und Theater folgte. Häufig weilten die Habsburger in Heiligenkreuz, besonders Kaiser Leopold I. Zur Errichtung eines kaiserlichen Quartiers und zur Modernisierung der Klosterräumlichkeiten wurde von 1637 bis 1665 der frühbarocke Klosterbau mit dem Stiftshof angelegt. Nach der Einäscherung und Plünderung des Stifts am 14. Juli 1683 durch die Osmanen erfolgte unter den Äbten Schäffer (1658-1693) und Marian Schirmer (1693-1705) der Wiederaufbau, an dem namhafte Künstler wie Michael Rottmayr, Martino Altomonte und vor allem der Bildhauer Giovanni Giuliani beteiligt waren. Giuliani, der von 1711 bis 1714 als Familiar im Kloster lebte, wurde mit seinen zahlreichen Werken im Kloster nahezu "allgegenwärtig". Unter anderem schuf er die Dreifaltigkeitssäule im Stiftshof, die Totenkapelle im ehemaligen "parlatorium" - ein kleiner Raum, in dem die Mönche sprechen durften - und den Kreuzweg. Er hinterließ dem Kloster eine einzigartige Sammlung von über 150 Skulpturmodellen aus Ton.

1802 gründeten die niederösterreichischen Zisterzienserstifte in Heiligenkreuz eine theologische Lehranstalt, aus der bedeutende Historiker, Kunsthistoriker und Theologen hervorgingen. Heute ist die philosophisch-theologische Hochschule, die seit 1976 Öffentlichkeitsrecht besitzt, im ehemaligen Meierhof untergebracht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die bis dahin selbstständige Abtei Neukloster in Wiener Neustadt mit Heiligenkreuz vereinigt (1881). Die jüngsten von Heiligenkreuz initiierten Neugründungen sind aus dem 20. Jahrhundert: 1954 das Zisterzienserinnenkloster Marienkron in Mönchhof im Burgenland und Ende der 1980er Jahre das Kloster Stiepel in Bochum. Im 20. Jahrhundert erlebte das Stift nach den schwierigen Zeiten des Zweiten Weltkriegs unter Abt Karl Braunstorfer (1945-69) eine "Renaissance". Tief greifende Reformen, die Lebensführung, Liturgie, aber auch spirituell-monastisch begründete Umbauten umfassten, führten zu einer inneren Erneuerung im zisterziensischen Geist.